Während der Wasserstoffsektor mit schwachen Zahlen kämpft, bekommt ITM Power ein staatliches Polster. Der britische Hersteller von PEM-Elektrolyseuren aus Sheffield hat sich frisches Kapital von der britischen Regierung gesichert. Das könnte reichen, um sich von kriselnden Wettbewerbern abzusetzen.

Am Mittwoch notiert die Aktie bei 1,33 Euro, ein Tagesminus von 2,28 Prozent. Der Wert bleibt damit fast die Hälfte unter seinem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro aus dem Mai. Auf Jahressicht steht dennoch ein Plus von 83,55 Prozent zu Buche.

Staatliche Millionen als Fundament

Der Kontrast zur Branche fällt auf. Der norwegische Konkurrent Nel ASA meldete am 20. Juli schwache Quartalszahlen. ITM Power dagegen hat gerade zwei staatliche Finanzierungen formell erhalten.

Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Net Zero gewährt dem Unternehmen einen Zuschuss von 46,5 Millionen Pfund. Great British Energy investiert zusätzlich 40 Millionen Pfund als Eigenkapital. Diese Summen verschaffen ITM Power einen finanziellen Puffer, den viele Wettbewerber gerade nicht haben.

Cromarty und die Deutsche Bahn

Mit der gesicherten Finanzierung im Rücken rückt jetzt die Umsetzung der Projekte in den Vordergrund. Im schottischen Hochland treibt ITM Power das Cromarty-Wasserstoffprojekt gemeinsam mit Protium Green Solutions voran. Die geplante Anlage soll 15 Megawatt leisten und täglich rund sieben Tonnen grünen Wasserstoff produzieren.

Die finale Investitionsentscheidung für Cromarty erwartet das Unternehmen für Dezember 2026. Parallel dazu läuft eine technische Machbarkeitsstudie mit DB Systemtechnik, einer Tochter der Deutschen Bahn. Ziel ist es, grünen Wasserstoff für die Dekarbonisierung des Schienenverkehrs nutzbar zu machen.

Deutschland als zweiter Wachstumsmarkt

ITM Power baut seine Präsenz in Deutschland weiter aus. Mit der Stablegrid Group verfolgt der Konzern zwei Energieinfrastrukturprojekte mit einer kombinierten Kapazität von 710 Megawatt.

Die erste Phase trägt den Namen „Netzbrücke 410“ und entsteht in Rüstringen. Geplant ist eine 30-Megawatt-Anlage für grünen Wasserstoff auf Basis der containerisierten Neptune-V-Elektrolyseure von ITM Power. Das Projekt soll Netzstabilisierungsdienste für das deutsche Stromsystem liefern, die Investitionsentscheidung dafür fällt noch im laufenden Kalenderjahr.

Was der Chart zeigt

Der 14-Tage-RSI liegt bei 44,8 und signalisiert damit ein neutrales Momentum, weder überkauft noch überverkauft. Die annualisierte Volatilität von 91,54 Prozent auf 30-Tage-Basis zeigt aber: Die Kursausschläge bleiben heftig, typisch für den Wasserstoffsektor.

Die Konsolidierung der vergangenen Wochen wirkt vor diesem Hintergrund weniger dramatisch, als es der Tagesverlust vermuten lässt. Die fundamentale Story hat sich mit den Zuschüssen und Partnerschaften spürbar verändert.

Die finalen Jahreszahlen sind für August 2026 angesetzt. Sie liefern den ersten vollständigen Einblick, wie sich die staatlichen Zuschüsse und die neuen Partnerschaften in der Bilanz niederschlagen.