ITM Power steht vor einer wegweisenden Entscheidung. Die britische Wettbewerbsbehörde prüft aktuell ein staatliches Förderpaket für den Wasserstoff-Spezialisten. Davon hängt der Bau einer neuen Produktionslinie im englischen Sheffield ab. Das sorgt für extreme Spannung beim Aktienkurs.

Millionen-Zuschuss auf dem Prüfstand

Im Zentrum steht ein Finanzpaket über insgesamt 86,5 Millionen Pfund. Davon fließen 40 Millionen Pfund als Eigenkapital vom Staatsfonds Great British Energy. Weitere 46,5 Millionen Pfund steuert das Energieministerium als Kapitalzuschuss bei. Die Kartellbehörde CMA untersucht diese Subventionen nun genau. Ohne grünes Licht gibt es keine Investitionsentscheidung für die geplante Ein-Gigawatt-Fabrik.

Der staatliche Investor freut sich bereits über einen satten Buchgewinn. Die im April gekauften Aktien haben massiv an Wert gewonnen. Das spiegelt den starken Stimmungswechsel seit der Finanzierungsrunde wider.

Volle Kassen, sinkende Auftragsquote

Operativ liefert das Unternehmen gemischte Signale. Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz ist gesunken. Dieser wichtige Indikator fiel von 5,5 zum Jahreswechsel auf aktuell etwa 4. Das bremst die Euphorie.

Im Gegenzug glänzt die Bilanz. Der Umsatz im ersten Halbjahr erreichte einen Rekordwert. Auch der Auftragsbestand wuchs auf 152 Millionen Pfund an. Bemerkenswert: Der Anteil profitabler Verträge in diesem Bestand kletterte auf über 70 Prozent.

Das Unternehmen verbrennt kaum noch Geld. Die Barreserven liegen bei fast 198 Millionen Pfund. Das Management hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr entsprechend an.

Analysten uneins, Kurs schwankt

Bei den Experten gehen die Meinungen weit auseinander. Berenberg verdoppelte das Kursziel kürzlich auf 200 Pence. Goldman Sachs rät hingegen weiterhin zum Verkauf. Die US-Bank sieht zu hohe operative Risiken.

Das Resultat ist eine massive Schwankungsbreite. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei extremen 113 Prozent. Die Aktie schloss am Freitag bei 1,48 Euro. Auf Wochensicht bedeutet das ein Plus von 14 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mit einem Anstieg von 104 Prozent verdoppelt.

Die kommenden Monate bringen klare Auslöser für die Aktie. Neben der Behördenentscheidung steht die zweite britische Wasserstoff-Vergaberunde an. Auch Uniper entscheidet bald über das Projekt in Killingholme. Winkt die CMA die Subventionen durch, rückt der 50-Tage-Durchschnitt bei 1,75 Euro ins Visier. Blockiert die Behörde, droht ein Rückfall auf die Unterstützungen bei 1,29 und 1,06 Euro. Spätestens im dritten Quartal 2026 präsentiert das Management dann die finalen Jahreszahlen.