Nach einer bemerkenswerten Kursrallye befindet sich die ITM Power Aktie in einer deutlichen Konsolidierungsphase — ausgerechnet dann, wenn die regulatorischen Rahmenbedingungen für das Unternehmen besser werden.

Brüssel gibt grünes Licht für Deutschland

Am 10. Juni 2026 hat die EU-Kommission Deutschland erlaubt, zwei wichtige Industriesubventionen gleichzeitig zu nutzen. Konkret dürfen energieintensive Unternehmen ab sofort einen temporären Industriestrompreisdeckel mit einem Strompreiskompensationsprogramm kombinieren. Bislang war das nicht möglich — was Investitionen in klimafreundliche Produktionsmethoden erheblich erschwerte.

Wirtschaftsministerin Katharina Reiche beziffert die zusätzliche Entlastung auf rund eine Milliarde Euro. Für ITM Power ist das direkt relevant. Das Unternehmen ist Technologiepartner der „Netzbrücke“-Projekte: eine 30-MW-Grüner-Wasserstoff-Anlage in Rüstringen und eine geplante 680-MW-Elektrolyse-Anlage. Beide Projekte stehen vor finalen Investitionsentscheidungen — 2026 und 2028.

Kurskorrektur trotz guter Nachrichten

Der Kurs erzählt eine andere Geschichte. Nach dem 52-Wochen-Hoch von 2,58 Euro Ende Mai hat die Aktie fast 42 Prozent nachgegeben und notiert aktuell bei 1,50 Euro. Der RSI liegt bei 40,2 — weit weg vom überkauften Bereich, aber noch nicht im Kaufsignal-Territorium.

Auf Sicht von 30 Tagen verlor die Aktie knapp 20 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von über 107 Prozent. Das Fundament bleibt solide: ITM Power meldete zuletzt einen Auftragsbestand von 152 Millionen Pfund und hob die Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 40 bis 43 Millionen Pfund an.

Zwei Märkte, ein Ziel

Parallel zum deutschen Subventionsdurchbruch hat ITM Power am 3. Juni eine strategische Partnerschaft mit dem Entwickler Protium besiegelt. Gemeinsam wollen sie Grüner-Wasserstoff-Anlagen in Großbritannien bauen — beginnend mit dem 15-MW-Projekt Cromarty in Schottland. Die britische Regierung prüft außerdem einen Kapitalzuschuss von 46,5 Millionen Pfund.

Der eigentliche Druck liegt jedoch in Deutschland. ITM Power hat dort Projektreservierungen von insgesamt 710 MW. Bis Ende des Geschäftsjahres 2026 muss das Unternehmen diese in feste Verträge umwandeln. Die neue EU-Genehmigung verbessert die Wirtschaftlichkeit für potenzielle Industriekunden spürbar — und könnte genau der Anstoß sein, den die ausstehenden Investitionsentscheidungen brauchen.