ITM Power Aktie: REFHYNE-2 gewinnt World Hydrogen Awards

ITM Power kooperiert mit Rheinmetall für E-Fuel-Anlagen und erhält Auszeichnungen. Drei operative Entscheidungen im Juni könnten den Kurs nachhaltig beeinflussen.

ITM Power Aktie
Kurz & knapp:
  • Zusammenarbeit mit Rheinmetall für Militär-E-Fuels
  • REFHYNE-2 gewinnt World Hydrogen Awards
  • Chronos-Entscheidung über Gigawatt-Fabrik im Juni
  • HAR2-Zuteilungsrunde als wichtiger Auftragstreiber

ITM Power geht mit einer breiteren Story in den Juni: Rheinmetall öffnet dem Elektrolyseur-Spezialisten einen Zugang zum Verteidigungsmarkt, während REFHYNE-2 internationale Auszeichnungen einsammelt. Der Kurs erzählt jedoch eine zweite Geschichte. Nach der starken Rally stehen drei Entscheidungen an, die aus Erwartung operative Substanz machen müssen.

Der Reiz liegt genau in diesem Spannungsfeld. ITM hat neue industrielle Anknüpfungspunkte, bleibt aber ein verlustreiches Wasserstoffunternehmen in einem Markt, der Geduld und Kapital verlangt.

Rheinmetall öffnet die Verteidigungsschiene

ITM Power arbeitet künftig mit Rheinmetall beim Giga-PtX-Projekt zusammen. Ziel ist ein europäisches Netz dezentraler Anlagen zur Produktion synthetischer Kraftstoffe für NATO-Streitkräfte. Für ITM wäre das ein neuer Absatzkanal außerhalb klassischer Industrie- und Energieprojekte.

Geplant sind mehrere hundert dezentrale Produktionsanlagen in Europa. Jede Anlage soll bis zu 50 Megawatt Elektrolyseleistung erreichen und jährlich etwa 5.000 bis 7.000 Tonnen E-Fuel herstellen. Der Start der Zusammenarbeit konzentriert sich zunächst auf Großbritannien.

Der strategische Punkt ist klar: In militärischen und anderen kritischen Anwendungen lässt sich Elektrifizierung oft nicht durchsetzen. Synthetische Kraftstoffe können dort eine Rolle spielen, wo Versorgungssicherheit, Lagerfähigkeit und operative Flexibilität wichtiger sind als reine Effizienz.

REFHYNE-2 stärkt den Leistungsnachweis

Auch im Kerngeschäft gibt es Rückenwind. REFHYNE 2, ein 100-Megawatt-PEM-Elektrolyseur im Shell Energy and Chemicals Park Rheinland, gewann bei den World Hydrogen Awards sowohl in der Kategorie „Clean Hydrogen Project“ als auch bei „Industrial Application“.

Ab 2027 soll die Anlage täglich bis zu 44.000 Kilogramm erneuerbaren Wasserstoff produzieren. Ein Teil davon soll die Kraftstoffproduktion in Shells Raffinerie Wesseling dekarbonisieren.

Für ITM zählt hier weniger der Preis an sich als die Signalwirkung. Große Referenzanlagen sind im Wasserstoffmarkt entscheidend, weil Kunden nicht nur Technikversprechen kaufen, sondern Lieferfähigkeit und Betriebserfahrung.

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Privatanleger treiben das Momentum

Das Interesse von Privatanlegern bleibt hoch. Auf der Plattform Interactive Investor entfielen 68 Prozent der Orders auf Käufe, womit ITM zu den zehn meistgehandelten Werten des Morgens zählte. In dieser Gruppe standen auch große Namen wie easyJet, Aviva, Glencore und Rolls-Royce Holdings.

Am Mittwoch schloss die Aktie bei 2,03 Euro, auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 16,99 Prozent. Seit Jahresanfang liegt der Kurs weiter 180,08 Prozent im Plus.

Der Rücksetzer relativiert die Euphorie, beendet sie aber nicht. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro ist der Kurs gut ein Fünftel entfernt, die Aktie bleibt damit hochsensibel für Nachrichten und Erwartungswechsel.

Drei operative Prüfsteine

Der erste Prüfstein ist Chronos. ITM plant in Sheffield eine automatisierte Fertigungslinie für Elektrolyseur-Stacks mit einer Kapazität von einem Gigawatt; die finale Investitionsentscheidung wird im Juni erwartet.

Eine Chronos-Einheit soll 2 Megawatt leisten und damit deutlich mehr als die bisherigen Systeme. ITM stellt 40 Prozent niedrigere Kapitalkosten und eine halbierte Stellfläche in Aussicht; der Produktionsstart ist für 2028 geplant.

Der zweite Punkt ist die britische Wasserstoff-Zuteilungsrunde HAR2. Auf der Shortlist stehen 27 Projekte, darunter Unipers Humber H2ub.

Dort könnte ITM sechs Poseidon-Module mit je 20 Megawatt liefern. Die Runde zielt auf 875 Megawatt Kapazität aus Anträgen über insgesamt 2,8 Gigawatt.

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Als dritter Prüfstein gilt Unipers Killingholme-Projekt mit 120 Megawatt. Der FEED-Vertrag wurde im Juni 2025 unterzeichnet, die Baugenehmigung folgte im März 2026. Uniper peilt die finale Investitionsentscheidung für 2026 an.

Fortschritt, aber weiter rote Zahlen

Finanziell verbessert sich die Lage, profitabel ist ITM aber noch nicht. Für das laufende Geschäftsjahr stellt das Unternehmen 40 bis 43 Millionen Pfund Umsatz in Aussicht; das wären rund 35 Prozent mehr als im Vorjahr, nach 18 Millionen Pfund im ersten Halbjahr.

Das ist Fortschritt. Der Markt wird jedoch vor allem darauf achten, ob höhere Umsätze auch bessere Margen und weniger Mittelabfluss bringen.

Der bereinigte EBITDA-Verlust sank im ersten Halbjahr auf 11,9 Millionen Pfund, nach 16,8 Millionen Pfund ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr erwartet ITM weiter ein Minus von 27 bis 29 Millionen Pfund.

Bei der Auftragsqualität zeigt sich eine deutlichere Verbesserung. Der Auftragsbestand liegt bei 152 Millionen Pfund, und 71 Prozent der Verträge gelten inzwischen als profitabel, nach nur 6 Prozent im Vorjahr.

Hinzu kommt eine solide Bilanz. Mit rund 200 Millionen Pfund an Barmitteln und ohne Schulden sehen Analysten derzeit keinen zusätzlichen Kapitalbedarf für den Rest des Jahrzehnts.

Die Kursziele liegen weit auseinander:

  • Jefferies: 200 Pence, „Buy“
  • Morgan Stanley: 170 Pence, „Overweight“
  • Berenberg: 110 Pence, „Buy“
  • UBS: 60 Pence, „Neutral“

Morgan Stanley erwartet den EBITDA-Breakeven nun im Geschäftsjahr 2028 und damit früher als bisher. Voraussetzung ist, dass ITM etwa 200 Megawatt an neuen Aufträgen gewinnt. Bemerkenswert ist auch, dass Morgan Stanley damit erstmals seit 2021 wieder eine positive Einschätzung für eine britische Wasserstoffaktie abgibt.

Am 15. September 2026 legt ITM Power die Jahreszahlen vor. Bis dahin dürften Chronos, HAR2 und Killingholme klarer eingeordnet sein. Genau diese Entscheidungen werden zeigen, ob die Rally bereits operative Bestätigung bekommt oder weiter vor allem auf Erwartungen gebaut ist.

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Über Dieter Jaworski 4632 Artikel

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Mein Weg: Von Siemens-Aktien zur professionellen Analyse

Meine Faszination für Finanzen begann früh. Die ersten eigenen Aktien (Siemens-Belegschaftsaktien 1980) weckten mein Interesse. Während meines Elektrotechnikstudiums vertiefte ich mich im Selbststudium in die Analyse von Aktien und Unternehmensdaten. Die Dotcom-Blase um 2000 war eine prägende Erfahrung – der Verlust von 50% des Kapitals verdeutlichte mir schmerzhaft: „Gier frisst Hirn“. Diese Lektion führte zur Entwicklung disziplinierter Strategien im Bereich Value Investing und Momentum.

Parallel zu meiner wachsenden Finanzexpertise war ich 29 Jahre bei Siemens in internationalen Positionen tätig (u.a. Netzplanung, technische Großprojekte, Vertriebsleitung). Diese Zeit verschaffte mir tiefe Einblicke in die Abläufe und Kennzahlen großer Konzerne – ein unschätzbarer Vorteil für die heutige Aktienbewertung. Ich war zudem im Research-Team eines Finanzinstituts und als Gutachter für einen Wirtschaftsverlag tätig.

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