Der britische Staat pumpt Millionen in ITM Power. Die Aktie fällt trotzdem. Für den Elektrolyseur-Hersteller aus Sheffield ergibt sich daraus ein Rätsel: Warum honoriert der Markt die staatliche Rückendeckung nicht?

Die Aktie notiert aktuell bei 1,18 Euro, ein Minus von 3,20 Prozent allein am heutigen Tag. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier 21 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 2,58 Euro trennen die Aktie mittlerweile 54,19 Prozent.

Fördergeld ohne Kurswirkung

Das britische Ministerium für Energiesicherheit und Net Zero (DESNZ) hat kürzlich einen Zuschuss über 46,5 Millionen Pfund final bewilligt. Das Geld fließt in die Industrialisierung von „Chronos“, der nächsten Elektrolyseur-Generation von ITM Power. Der Hersteller verspricht für diese Plattform eine bessere Energieeffizienz und spürbar niedrigere Produktionskosten als bei den Vorgängermodellen.

Die Förderung war bereits Anfang des Jahres angekündigt worden. Die formale Bewilligung im Juli sollte ein klares Signal staatlicher Unterstützung für die britische Wasserstoff-Industrie senden. Am Kurs ist davon wenig zu sehen.

Der Staat wird Aktionär

Noch bemerkenswerter ist ein zweiter Schritt: Great British Energy, das staatliche Energieunternehmen Großbritanniens, hat eine Kapitalbeteiligung über 40 Millionen Pfund an ITM Power abgeschlossen. Der britische Staat hält dadurch rund 10,4 Prozent der Anteile. Aus dem reinen Fördergeber ist damit ein direkter Anteilseigner geworden.

Zuschuss und Beteiligung ergeben zusammen 86,5 Millionen Pfund. Das Geld soll eine automatisierte Fertigungslinie in Sheffield finanzieren, die jährlich ein Gigawatt an Chronos-Stacks produzieren kann. Investoren fokussieren sich trotz dieses Vertrauensbeweises offenbar auf das Ausführungsrisiko: den Sprung von der Entwicklung zur industriellen Serienfertigung.

Extreme Schwankungen, konkrete Fortschritte

Wie nervös der Markt reagiert, zeigt die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 88,36 Prozent. Dabei kann ITM Power durchaus operative Erfolge vorweisen. Der Konzern hat eine strategische Partnerschaft mit Rheinmetall für großangelegte „Giga PtX“-Projekte geschlossen.

Die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 wurde zudem auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben. Der breitere Wasserstoffsektor steht dennoch weiter unter Druck. Die Analysten von Berenberg halten trotz der schwachen Kursentwicklung an einem Kursziel von 200 Pence fest — deutlich über dem aktuellen Niveau.

Der Markt hängt an einer klassischen Hürde grüner Wachstumsgeschichten: Versprechen reichen nicht, es braucht Beweise.

Der August wird zum Prüfstein

Anleger richten den Blick nun auf die Jahreszahlen, die im August erwartet werden. Sie liefern den ersten umfassenden Beleg dafür, ob die von CEO Dennis Schulz angekündigten Kostendisziplin-Maßnahmen tatsächlich die Verluste verringern.

Besonders im Fokus steht dabei die Integration der neuen Chronos-Fertigungslinie in die bestehenden Werke. Auch der Auftragsbestand, der zuletzt über 150 Millionen Pfund lag, dürfte genau geprüft werden. Bis klare Anzeichen für eine erfolgreiche Serienproduktion vorliegen, dürfte die Aktie so volatil bleiben wie bisher.