ITM Power notiert bei 1,47 Euro, ein Plus von 1,17 Prozent am Tag und 13,39 Prozent auf Wochensicht. Vom Rekordhoch bei 2,58 Euro aus dem Mai bleibt die Aktie dennoch 42,86 Prozent entfernt. Der Kurs erholt sich, während Investoren auf eine britische Förderentscheidung warten, die darüber bestimmt, ob die nächste Produktionsplattform des Wasserstoff-Unternehmens vom Papier in die Baustelle geht.
Die Ausgangslage: Zuschuss hängt in der Warteschleife
Im April sicherte sich ITM Power ein staatlich gestütztes Finanzierungspaket über 86,5 Millionen Pfund. Der Bestandteil: eine Eigenkapitalspritze von 40 Millionen Pfund durch Great British Energy und ein geplanter Kapitalzuschuss von 46,5 Millionen Pfund durch das britische Energieministerium.
Das Geld soll eine neue automatisierte Fertigungslinie in Sheffield finanzieren, ausgelegt auf eine Jahreskapazität von einem Gigawatt für den Chronos-Elektrolyseur-Stack. Ausgezahlt würde der Zuschuss über die Geschäftsjahre 2026/27 und 2027/28.
Bevor Geld fließen kann, muss die britische Wettbewerbsbehörde CMA über ihre Subsidy Advice Unit grünes Licht geben. Öffentliche Unterlagen zeigten diese Prüfung Ende Juni noch als offen. Ein offizielles Ergebnis steht bis heute aus — die endgültige Investitionsentscheidung für die Chronos-Linie hängt direkt daran.
Die entscheidende Frage
Kommt die regulatorische Freigabe für den Chronos-Zuschuss, und trifft das Management anschließend die finale Investitionsentscheidung für die Gigawatt-Linie in Sheffield? Nur dann verwandelt ITM seine Ambition in ein festes Kapitalprogramm. Verzögert sich die Freigabe weiter, bleibt die Unsicherheit bestehen, die bereits jetzt die 30-Tage-Volatilität auf 113,22 Prozent annualisiert getrieben hat.
Bullen-Szenario: Auftragsbuch und Kasse sprechen dafür
Operativ hat sich einiges verbessert. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte ITM Power einen Rekordumsatz von 18 Millionen Pfund, den höchsten in der Firmengeschichte. Der Bruttoverlust schrumpfte im Jahresvergleich von 10,2 auf 6,5 Millionen Pfund.
Der Auftragsbestand wuchs auf 152 Millionen Pfund, 71 Prozent der Verträge gelten inzwischen als profitabel. Das Management hob die Jahresumsatzprognose nach dem starken ersten Halbjahr auf eine Spanne von 40 bis 43 Millionen Pfund an.
Auch bei der Liquidität sieht es vorerst komfortabel aus. Die Kassenposition lag zuletzt bei 197,8 Millionen Pfund, der Rückgang über zwölf Monate betrug lediglich 9,2 Millionen Pfund. Das staatliche Förderpaket hat die Prognose für die Barmittel im Geschäftsjahr 2026 bereits angehoben, von zuvor 170 bis 175 Millionen Pfund auf jetzt 210 bis 215 Millionen Pfund.
Eine erteilte Subventionsfreigabe würde ITM erlauben, Lieferverträge für die automatisierte Linie fest zu vereinbaren. Die geplanten Spezifikationen versprechen deutlich niedrigere Stückkosten — ein Argument, das in den vergangenen Wochen bereits mehrere Kursziel-Anhebungen auf der Verkaufsseite befeuert hat.
Bären-Szenario: Ausführungsrisiko und ein breiter Verlust
Strukturell bleibt ITM Power ein Verlustbringer, und die Größenordnung ist erheblich. Der Vorsteuerverlust für das Geschäftsjahr bis April 2025 weitete sich von 27,1 auf 45,4 Millionen Pfund aus. Auch der schmalere Bruttoverlust im ersten Halbjahr ändert daran wenig: Ein Ergebnis je Aktie von minus 0,023 Pfund zeigt ein Geschäft, das noch Jahre von nachhaltiger Profitabilität entfernt ist.
Bei der Einschätzung der Zeitlinie gehen die Meinungen der Analysten deutlich auseinander. Die veröffentlichten Kursziele streuen breit, mindestens eine große Bank hält an einer skeptischen Haltung fest — ein echtes Zeichen für Uneinigkeit darüber, wie schnell sich die Chronos-Plattform kommerzialisieren lässt.
Die Subventionsfreigabe selbst ist noch nicht gesichert. Die CMA-Prüfung ist ein offener regulatorischer Schritt, kein feststehendes Faktum. Verzögert sich die Freigabe oder fällt sie ungünstig aus, verschiebt sich die finale Investitionsentscheidung für die Gigafactory — und damit der Kapazitätsausbau, auf dem ein Großteil der bullischen These fußt.
Weitere anstehende Katalysatoren bleiben ebenfalls offen: die zweite britische Hydrogen Allocation Round und Unipers Entscheidung zum Killingholme-Projekt. Beides sind noch keine bestätigten Erfolge, sondern offene Fragen. Mehrere Säulen der aktuellen Bewertung stehen damit auf Bedingung, nicht auf Fels.
Ausblick: Der Markt wartet auf Whitehall
Die kurzfristige Richtung der Aktie dürfte stärker an regulatorischen und projektbezogenen Nachrichten hängen als an operativen Detailmeldungen. Wächst das Auftragsbuch weiter und bleibt die Kassenposition stabil, könnte sich der Kurs bei einer Freigabe des Chronos-Zuschusses und anschließender Investitionsentscheidung Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei 1,75 Euro zurückarbeiten.
Stockt die Freigabe weiter oder fällt sie negativ aus, dürften der 100-Tage-Durchschnitt bei 1,29 Euro und der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,06 Euro als nächste technische Marken bei erneuter Schwäche dienen. Der nächste feste Termin für die Geschichte sind die Jahresergebnisse, erwartet im dritten Kalenderquartal 2026. Bis dahin sollte klarer sein, ob der Chronos-Zuschuss, die HAR2-Zuteilung und Unipers Killingholme-Entscheidung von offenen Fragen zu abgeschlossenen Fakten geworden sind.
ITM Power-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue ITM Power-Analyse vom 3. Juli liefert die Antwort:
Die neusten ITM Power-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für ITM Power-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 3. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
ITM Power: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...


