Nur 32 Staaten erwirtschaften derzeit fast die gesamte globale Expansion. Trotz hoher Ölpreise hält sich die Weltwirtschaft robuster als erwartet, gestützt auf massive Investitionen in künstliche Intelligenz. Der Internationale Währungsfonds hebt seine Prognose für das laufende Jahr leicht auf 3,1 Prozent an.
Hinter der Aufwärtskorrektur steht ein ungleiches Bild. Hohe Ausgaben für Rechenzentren und Halbleiter stützen die Wirtschaft in den führenden Industrie- und Hardware-Exportländern. Auf der anderen Seite droht der durch den Nahost-Konflikt angeheizte Ölpreis viele Regionen abzuhängen, die von diesem Technologieschub unberührt bleiben. Fast die Hälfte aller Volkswirtschaften erhielt seit dem Frühjahr eine Herabstufung ihrer Aussichten.
Getriebene Industrieländer, leidende Schwellenländer
In den großen Volkswirtschaften stützen Konsum und Technologie die Bilanzen. Für die USA erwartet der Fonds im laufenden Jahr ein Wachstum von 2,3 Prozent. Die Schätzung für den Euroraum liegt bei 1,1 Prozent, während Großbritannien ein Plus von 1,3 Prozent erreichen soll.
Begründet liegt der Zuwachs in Europa neben den Technologieinvestitionen auch in höheren Verteidigungsausgaben. Zudem griffen erste Gegenmaßnahmen zur Abfederung des Energieschocks. Regierungen und Unternehmen dämpften den Preisanstieg vorübergehend durch freigegebene Reserven und alternative Lieferquellen ab, wenngleich dieser Schutz mit andauerndem Konflikt nachlässt.
Ganz anders stellt sich die Lage abseits der Technologielieferketten dar. Für Lateinamerika senkte der IWF die Wachstumserwartung auf 2,3 Prozent. Besonders hart trifft es die Golfregion: Für Saudi-Arabien sagt der Fonds in diesem Jahr eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 3,3 Prozent voraus.
Risiken durch Ölpreis und Staatsverschuldung
Die Basisrechnung unterstellt für das laufende Jahr einen durchschnittlichen Ölpreis von 96 Dollar je Barrel. Sollte eine Verschärfung der militärischen Lage die Notierungen auf 130 Dollar treiben, würde dies die weltweite Expansion spürbar dämpfen. Hinzu kommt der anhaltende Preisdruck, da die globale Inflationsrate ohnehin bei 4,7 Prozent verharrt.
Auf der Jahrestagung in Bangkok rückt der Fonds deshalb die Finanzpolitik in den Mittelpunkt. Hohe Zinsen und wachsende Schuldenberge engen den Handlungsspielraum vieler Staaten drastisch ein. Regierungen müssen ihre Ausgaben disziplinieren und Puffer aufbauen, um für anhaltend teure Refinanzierungen gewappnet zu sein.


