Während sich die USA auf eine mögliche Konfrontation mit Iran vorbereiten, zeigt Japans Industrie unerwartete Stärke. Gleichzeitig sorgt eine Krise im US-Finanzsektor für Nervosität – ein Zusammenspiel globaler Kräfte, das die Märkte in dieser Woche prägt.
Japans Industrie läuft auf Hochtouren
Die japanische Wirtschaft meldet sich mit beeindruckenden Zahlen zurück: Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe kletterte im Februar auf 52,8 Punkte – der höchste Stand seit über vier Jahren. Damit setzt sich der Expansionstrend fort, den Analysten als breit angelegte Erholung deuten. Besonders bemerkenswert: Die Auftragseingänge aus dem Ausland wuchsen so stark wie seit acht Jahren nicht mehr.
„Die Verbesserung der Wachstumsdynamik in der Fertigung entspricht nun dem soliden Tempo im Dienstleistungssektor“, erklärt Annabel Fiddes von S&P Global Market Intelligence. Die Produktion stieg auf 53,9 Punkte, Neuaufträge erreichten das schnellste Wachstum seit Mai 2023. Firmen berichten von robuster Nachfrage und positiven Effekten neuer Produkteinführungen – ein Lichtblick für Premierministerin Sanae Takaichi, die Anfang Februar mit wirtschaftspolitischen Versprechen einen überzeugenden Wahlsieg einfuhr.
Doch die Inflationsdaten dämpfen die Euphorie: Die Kerninflation fiel im Januar auf 2,0 Prozent, den niedrigsten Wert seit fast zwei Jahren. Grund sind vor allem staatliche Entlastungen bei Energiekosten – Takaichis Regierung hatte Ende 2025 die Steuerzuschläge auf Benzin gestrichen. Das dürfte die Bank of Japan vor ein Dilemma stellen: Weitere Zinserhöhungen erscheinen weniger dringend, obwohl die zugrundeliegende Inflation über dem 2-Prozent-Ziel liegt.
Dollar zeigt Muskeln – Geopolitik als Treiber
Am Devisenmarkt dominiert der Greenback mit der stärksten Wochenperformance seit Oktober. Der Dollar-Index kletterte auf ein Einmonatshoch von 97,89 und dürfte die Woche mit einem Plus von über einem Prozent abschließen. Sterling rutschte auf ein Monatstief bei 1,3457 Dollar, der Euro verliert knapp 0,8 Prozent.
„Es würde mich nicht überraschen, wenn der US-Dollar noch eine Weile weiter steigt“, sagt Joseph Capurso von der Commonwealth Bank of Australia. Treiber sind nicht nur die besser als erwarteten US-Arbeitsmarktdaten – auch die hawkischen Fed-Protokolle zeigten, dass mehrere Notenbanker bei hartnäckiger Inflation Zinserhöhungen nicht ausschließen. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juni liegt nur noch bei 58 Prozent.
Hinzu kommt die Iran-Krise: US-Präsident Donald Trump setzte Teheran ein Ultimatum von 10 bis 15 Tagen für ein Atomabkommen – andernfalls drohten „wirklich schlimme Dinge“. Iran konterte mit Vergeltungsdrohungen gegen US-Basen. „Das könnte Öl- und Devisenmärkte massiv treffen“, warnt Capurso. „Ein größerer Angriff würde die Frage aufwerfen, ob der Dollar noch ein sicherer Hafen ist.“
Der Yen gibt derweil auf 155,08 je Dollar nach – trotz der PMI-Stärke. Anleger rechnen nicht mit einer baldigen Zinserhöhung der BoJ, solange die Inflation abkühlt.
Private Equity unter Druck – Blue Owl sorgt für Schockwellen
An der Wall Street belastete eine neue Hiobsbotschaft aus dem Private-Equity-Sektor: Blue Owl Capital verkaufte Vermögenswerte im Wert von 1,4 Milliarden Dollar aus drei Fonds und fror Rückzahlungen bei seinem OBDC-II-Fonds dauerhaft ein. Die Aktie sackte um 9 Prozent ab, größere Wettbewerber wie Apollo Global Management, Ares und KKR verloren bis zu 6,3 Prozent.
Für Investoren wirft der Schritt unangenehme Fragen auf: Truist-Analyst Brian Finneran interpretiert den Notverkauf als Zeichen beschleunigter Rückzahlungswünsche, die Blue Owl zu erzwungenen Verkäufen hochwertiger Assets getrieben hätten. Pikantes Detail: Die Kredite wurden zu 99,7 Prozent ihres Nennwerts verkauft – exakt dem Buchwert. „Realistisch betrachtet sollten diese in den letzten Jahren zu höheren Renditen vergebenen Kredite angesichts gefallener Zinsen mit Aufschlag gehandelt werden“, kritisiert Finneran.
Blue Owl verteidigt sich: Man beschleunige lediglich die Kapitalrückgabe an OBDC-II-Investoren, die ihr Geld binnen 45 Tagen erhalten. Co-Präsident Craig Packer betont, der Verkauf bringe sechsmal mehr Liquidität als das zuvor geplante Rücknahmeprogramm. Doch das Vertrauen ist beschädigt – die Marktkapitalisierung hat sich in zwölf Monaten mehr als halbiert.
Die Turbulenzen werfen ein Schlaglicht auf die gesamte Branche: Private-Credit-Fonds geraten zunehmend wegen Bewertungspraktiken, Kreditstandards und Klumpenrisiken im Software-Sektor unter Beobachtung. Gleichzeitig strömen Privatanleger verstärkt in die Anlageklasse – ein toxischer Mix.
Nordkoreas Parteitag und Kanadas Wohnungskrise
Fernab der Schlagzeilen eröffnete Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un den Neunten Parteitag mit einem Loblied auf wirtschaftliche Erfolge der vergangenen fünf Jahre. Kim sprach von „fundamentalen Veränderungen“ und verwies auf die Fertigstellung von 50.000 Wohnungen in Pjöngjang. Zum Verhältnis zu den USA oder Südkorea schwieg er – möglicherweise mit Blick auf Trumps Chinareise im April.
In Kanada diagnostizieren CIBC-Ökonomen eine paradoxe Wohnungskrise: „Die Preise sind zu hoch zum Kaufen, aber zu niedrig zum Bauen.“ Trotz Preisrückgängen seit den Pandemie-Höchstständen lohnt sich der Neubau von Hochhäusern kaum noch – Lieferkosten übersteigen die Marktpreise. Gleichzeitig wandern Bauarbeiter in den Infrastruktursektor ab, was bei einer Erholung zu Engpässen führen dürfte.
Ausblick: PCE-Daten im Fokus
Alle Augen richten sich nun auf die US-Kernrate der Konsumausgaben am Freitag – das bevorzugte Inflationsmaß der Fed. „Der große Streit innerhalb der Fed dreht sich darum, ob man proaktiv senken sollte, um den Arbeitsmarkt zu stützen, oder länger restriktiv bleibt, um die Inflation zu bekämpfen“, sagt Chris Zaccarelli von Northlight Asset Management. Die PCE-Daten werden diese Debatte befeuern – und womöglich die Dollar-Dominanz zementieren oder infrage stellen.


