JinkoSolar steht vor einer riskanten Handelswoche. Während internationale Großprojekte voranschreiten, lastet der Heimatmarkt bleischwer auf dem Kurs. Die Aktie rutschte am Freitag um 5,48 Prozent ab und schloss bei 13,12 Euro — gefährlich nah am Jahrestief.

Einbruch im Heimatmarkt sorgt für Druck

Der Auslöser für die schlechte Stimmung liegt in Peking. Neue Marktdaten zeichnen ein düsteres Bild: Die Solar-Neuinstallationen in China brachen im ersten Halbjahr 2026 um 66 Prozent ein. Ein radikaler Politikwechsel verschärft die Lage. Wind- und Solarparks müssen ihren Strom nun zu Marktpreisen verkaufen, statt feste Einspeisevergütungen zu erhalten.

Parallel dazu greift der Staat gegen Überkapazitäten durch. Ab Anfang 2027 gelten strengere Effizienzstandards für Solarmodule. Hinzu kommt eine neue Verbrauchssteuer von zwei Prozent auf Solarzellen, die ab April 2027 die Margen der Hersteller belastet.

Expansion als strategischer Gegenpol

Fernab Chinas versucht JinkoSolar, mit Expansion gegenzusteuern. Die Tochter Jinko ESS sicherte sich zuletzt einen Liefervertrag über 100 Megawattstunden in Mitteleuropa. Ein weiteres Großprojekt über 300 Megawatt startete in Tadschikistan. Hier setzt das Unternehmen auf seine neueste Zelltechnologie Tiger Neo 3.0.

Zentraler Pfeiler der Strategie bleibt der Nahe Osten. In Saudi-Arabien entsteht gemeinsam mit dem Staatsfonds PIF ein Werk mit einer Kapazität von 10 Gigawatt. Die Fabrik soll noch 2026 den Betrieb aufnehmen und dient als Export-Drehkreuz. So umgeht der Konzern einen Teil der heimischen Überkapazitäten auf dem chinesischen Festland.

An der Börse kämpft der Titel nun um die psychologisch wichtige Marke von 13,00 Euro. Mit einem Minus von rund 42 Prozent seit Jahresbeginn ist das Papier technisch überverkauft. Ob die Unterstützung hält, entscheidet sich in den nächsten Handelstagen. Ende August folgen die offiziellen Quartalszahlen, die Klarheit über die tatsächlichen Gewinnmargen bringen werden.