Der europäische Arzneimittelausschuss CHMP hat sich für eine deutliche Zulassungserweiterung des Krebsmedikaments Tecvayli von Johnson & Johnson ausgesprochen. Die Experten der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA empfehlen den bispezifischen Antikörper künftig bereits ab der zweiten Therapielinie bei erwachsenen Patienten mit rezidiviertem und refraktärem Multiplem Myelom.
Bislang war das Mittel erst nach mehreren vorangegangenen Behandlungen zugelassen. Die finale Entscheidung der Europäischen Kommission über die Indikationserweiterung steht in etwa zwei Monaten an.
Starke Studiendaten stützen die Empfehlung
Die positive Beurteilung durch die europäischen Gutachter stützt sich auf die Phase-3-Studie MajesTEC-9. In dieser Untersuchung wurde Tecvayli als Monotherapie bei Betroffenen geprüft, die zuvor bereits ein bis drei Behandlungen durchlaufen hatten. Gegenüber der Standardtherapie senkte das Medikament das Risiko eines Fortschreitens der Erkrankung oder des Todes um 71 Prozent.
Gleichzeitig verringerte sich das reine Sterberisiko in der Behandlungsgruppe um 40 Prozent. Eine vollständige Remission oder ein noch besseres Ansprechen erzielten 65,9 Prozent der mit Tecvayli behandelten Patienten, während die Vergleichsgruppe unter Standardtherapie auf 16,8 Prozent kam. Weltweit erhielten bislang bereits mehr als 30.700 Patienten das Arzneimittel.
Wichtiger Schritt für das Onkologie-Portfolio
Für Johnson & Johnson markiert das Votum einen zentralen Meilenstein beim Ausbau des Krebsgeschäfts. Das Multiple Myelom bleibt eine schwer behandelbare Erkrankung des Knochenmarks, bei der Rückfälle häufig auftreten. Ein früherer Einsatz von modernen Immuntherapien erweitert die Behandlungsoptionen der behandelnden Ärzte erheblich.
Flankiert wird der regulatorische Erfolg von Fortschritten bei weiteren Kernpräparaten im selben Indikationsgebiet. So sprach sich das britische Institut NICE am Donnerstag in einem Entwurf für den Einsatz einer Darzalex-Kombinationstherapie bei bislang unbehandelten Myelom-Patienten im staatlichen Gesundheitsdienst aus. Das Management setzt gezielt auf derartige Portfolioerweiterungen, um Patentabläufe bei älteren umsatzstarken Medikamenten abzufedern.
Aktie behauptet hohes Niveau
An der Börse reagierten die Anleger gelassen auf die Nachricht aus Brüssel. Die Aktie von Johnson & Johnson beendete den Handel am Freitag bei 236,35 Euro. Seit dem Jahresanfang verzeichnet das Papier damit ein Plus von 34 Prozent.
Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch beträgt moderate 2,6 Prozent, nachdem der Titel diesen Rekordstand vor rund zwei Wochen erreicht hatte. Die Pipeline-Erfolge im Bereich der Hämatologie untermauern den Wachstumskurs des Pharmakonzerns im laufenden Geschäftsjahr.
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