Brasiliens Kaffeebauern kämpfen mit anhaltenden Regenfällen — und der Markt reagiert prompt. Arabica und Robusta legten am Freitag deutlich zu und markierten neue Wochenhochs. Dahinter steckt mehr als nur schlechtes Wetter.
Ernte weit hinter dem Vorjahr
Der Juli-Kontrakt für Arabica kletterte in New York um 2,23 Prozent auf 253,95 US-Cent pro Pfund. Robusta legte in London noch stärker zu: plus 3,25 Prozent auf 3.463 US-Dollar pro Tonne.
Auslöser sind Wetterprognosen des Dienstes Vaisala, der weitere Niederschläge in den brasilianischen Anbauregionen erwartet. Die Folge: Die Ernte kommt kaum vom Fleck. Die Genossenschaft Cooxupé meldete, dass bis zum 5. Juni nur 12 Prozent der Ernte 2026 eingebracht waren. Im Vorjahr lag dieser Wert zur gleichen Zeit bei 13,7 Prozent.
Mittelfristig bleibt das Bild freundlicher. Das US-Landwirtschaftsministerium erwartet für die Saison 2026/27 eine Rekordernte von 71,9 Millionen Säcken in Brasilien — ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Lagerbestände auf Tiefstständen
Die angespannte Lage an den Warenterminbörsen verstärkt den Preisdruck. Die zertifizierten Arabica-Bestände an der ICE fielen auf ein 6,5-Monats-Tief von rund 403.000 Säcken. Bei Robusta erreichten die Vorräte mit 3.631 Kontrakten ein Zwei-Jahres-Tief.
Brasiliens Exportstruktur zeigt dabei ein gespaltenes Bild. Die gesamten Rohkaffeeexporte stiegen im Mai zwar um 4,2 Prozent auf 2,73 Millionen Säcke. Arabica-Ausfuhren sanken allerdings um 11,9 Prozent. Canephora-Sorten — also Robusta und Conilon — sprangen dagegen um 193 Prozent auf über 601.000 Säcke.
El Niño und Dollarschwäche als Zusatzfaktoren
Neue Warnungen der US-Wetterbehörde NOAA und japanischer Meteorologen heizen die Stimmung weiter an. Die Wahrscheinlichkeit für ein „Super El Niño“-Ereignis liegt aktuell bei 67 Prozent. Extreme Trockenheit in Südostasien und unregelmäßige Niederschläge in Südamerika könnten die Produktion 2026/27 empfindlich treffen.
Ein schwächerer US-Dollar gegenüber dem brasilianischen Real bremst obendrein die Verkaufsbereitschaft der Produzenten. Wer in Dollar exportiert, aber in Real kalkuliert, verdient bei einem schwachen Greenback weniger — und wartet lieber ab.
In Vietnam, dem weltgrößten Robusta-Produzenten, stiegen die Inlandspreise auf bis zu 85.400 VND pro Kilogramm. Das USDA erwartet dort für 2026/27 eine Produktion von rund 32,5 Millionen Säcken. Ob El Niño diese Prognose kippt, entscheidet sich in den kommenden Monaten — spätestens wenn NOAA im August seine nächste Saisongprognose vorlegt.
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