Die Kaffeemärkte driften am Freitag massiv auseinander. Arabica-Notierungen geben in New York deutlich nach. Parallel dazu steigt der Preis für Robusta in London den dritten Tag in Folge.

Arabica-Preise unter Erntedruck

In New York geriet der Arabica-Kontrakt für Juli unter Verkaufsdruck. Die Notierung sank um 3,73 Prozent auf 273,25 US-Cents pro Pfund. Analysten sehen den Grund in den optimistischen Prognosen aus Brasilien.

Die Marex Group erwartet dort eine Rekordernte von fast 76 Millionen Säcken. Das entspräche einer Steigerung von 15,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. StoneX bestätigte diesen Trend mit einer ähnlich hohen Schätzung für die kommende Saison.

Robusta bleibt in Vietnam knapp

Ein völlig anderes Bild zeigt der Robusta-Kaffee. In London legte der Kontrakt für Juli zuletzt auf 3.432 US-Dollar pro Tonne zu. Knappe Lagerbestände stützen diesen Aufwärtstrend am physischen Markt.

In Vietnam kletterten die Inlandspreise deshalb auf neue Höchststände. Die Provinz Dak Nong meldete mit 87.700 VND pro Kilogramm den landesweit höchsten Wert. Das Angebot an den Börsenplätzen bleibt trotz hoher Exportmengen angespannt. Vietnam verschiffte zwischen Januar und April rund 810.000 Tonnen Kaffee.

Logistik und geopolitische Risiken

Neben der Erntemenge bestimmen geopolitische Risiken die Preise. Die angespannte Lage an der Straße von Hormus stört die globalen Lieferketten. Steigende Frachtraten und Versicherungskosten belasten vor allem europäische Röstereien.

Branchenvertreter warnen bereits vor den langfristigen Folgen dieser Volatilität. Illycaffe-Chef Andrea Illy betonte in Sao Paulo das Risiko künftiger Marktkrisen. Die hohen Rohstoffkosten verändern die Kalkulationsgrundlagen der gesamten Wertschöpfungskette.

Das Wetter in den brasilianischen Anbaugebieten Minas Gerais und Cerrado bleibt vorerst stabil. Dies begünstigt den Start der dortigen Ernte. In der kommenden Woche steht die logistische Abwicklung der Warenströme im Fokus. Die Unsicherheit über die globalen Lieferwege bleibt hoch.