Die Kapsch TrafficCom AG bereitet sich auf ihre anstehende ordentliche Hauptversammlung vor, zu der das Unternehmen am 11. August offiziell eingeladen hat. Die Zusammenkunft der Anteilseigner findet in einer Phase statt, in der der Verkehrstelematik-Spezialist eine tiefgreifende operative und finanzielle Transformation durchläuft.

Aktionäre blicken dabei insbesondere auf die Fortschritte bei der Neuausrichtung des Portfolios und die personelle Neuaufstellung im Management, die den Weg aus der Krise ebnen sollen.

Strategische Portfolio-Bereinigung und personeller Wechsel

Ein wesentlicher Baustein der aktuellen Strategie ist die konsequente Trennung von Randbereichen des Geschäftsmodells. Anfang Juli unterzeichnete Kapsch TrafficCom eine Transaktionsvereinbarung zum Verkauf der Mehrheit an der in Rosenheim ansässigen tolltickets GmbH.

Durch die geplante Entkonsolidierung erwartet das Unternehmen laut eigenen Angaben einen positiven Effekt auf das operative Ergebnis (EBIT) in Höhe von etwa 10 Millionen Euro. Der Abschluss dieses Geschäfts steht derzeit noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen, wobei die Unternehmensführung das Closing bis zum Ende des Jahres 2026 anstrebt.

Parallel zu diesen strukturellen Veränderungen wurde mit Dkfm. Markus Richter ein neuer Finanzvorstand berufen. Er trat sein Amt Ende Juli an und gilt als ausgewiesener Experte für die Begleitung von Restrukturierungsprozessen. Seine Aufgabe besteht vorrangig darin, die finanzielle Sanierung des Konzerns federführend vorantreiben und die Stabilität in einem weiterhin volatilen Marktumfeld zu sichern.

Restrukturierung bestimmt den finanziellen Spielraum

Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen spiegelte sich deutlich in den Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26 wider. Medienberichten zufolge sank der Umsatz in diesem Zeitraum um rund 19 Prozent auf zirka 431 Millionen Euro.

Das Unternehmen führte diesen Rückgang vor allem auf den Wegfall zweier bedeutender Großprojekte sowie auf Verzögerungen zurück, die durch Kunden verursacht wurden. Zudem erwies sich der globale Mautmarkt als schwächer als in den Vorperioden erwartet.

Um die Handlungsfähigkeit zu erhalten, wurde vor rund einem Monat eine umfassende Restrukturierungsvereinbarung mit den Finanzgläubigern abgeschlossen.

Diese Vereinbarung sieht eine Aussetzung der Tilgungsraten bis zum 31. März 2028 vor, was dem Konzern die nötige Atempause für den operativen Umbau verschafft. Im Gegenzug ist Kapsch TrafficCom zu Frühtilgungen aus überschüssiger Liquidität verpflichtet und wird für die Dauer der Vereinbarung keine Dividenden an die Aktionäre ausschütten.

Die Skepsis am Kapitalmarkt spiegelt sich derweil in der aktuellen Bewertung wider. Der Schlusskurs am Freitag lag bei 4,65 Euro, womit die Aktie lediglich 3,1 % über ihrem 52-Wochen-Tief notiert. Analysten von Montega senkten Ende Juli in einer Studie ihr Kursziel auf 6,00 Euro, hielten jedoch aufgrund der Sanierungsfortschritte an ihrer Kaufempfehlung fest. Vom 52-Wochen-Hoch ist das Papier derzeit mit einem Abstand von 40 % entfernt.

Ausblick auf das neue Geschäftsjahr

Trotz der massiven Belastungen der vergangenen Monate zeigt sich das Management für die nähere Zukunft vorsichtig optimistisch. Für das Geschäftsjahr 2026/27 wird ein Umsatz sowie ein operatives Ergebnis über dem Niveau des Vorjahres in Aussicht gestellt. Diese Prognose stützt sich auf einen soliden Auftragsbestand von rund 1,3 Milliarden Euro sowie einen zuletzt gemeldeten Auftragseingang von etwa 496 Millionen Euro.

Zudem wird erwartet, dass die bereits eingeleiteten Kostenanpassungen und Restrukturierungsschritte künftig ihre volle Wirkung entfalten. Das Hauptaugenmerk der kommenden Monate liegt dabei auf der termingerechten Umsetzung neuer Projekte und der weiteren Senkung der Verschuldung im Rahmen des vereinbarten Sanierungsplans.