Die luxemburgische Finanzaufsicht CSSF hat ein Machtwort gesprochen. Für die Aktionäre der Kernel Holding S.A. steht nun ein verbindlicher Abfindungspreis fest. Er liegt bei 19,93 Polnischen Zloty (PLN) je Aktie.

Grant Thornton führte die unabhängige Bewertung im Auftrag der Behörde durch. Der neue Wert liegt um 2,5 Prozent höher als eine frühere Schätzung. Damit reagiert die CSSF auf Einsprüche von Minderheitsaktionären gegen den ursprünglichen Preisvorschlag.

Hintergrund ist die massive Anteilsaufstockung durch den Großaktionär. Namsen Limited, die Firma von CEO Andriy Verevsky, kontrolliert mittlerweile 95,06 Prozent des Kapitals. Daraufhin machten viele Anleger von ihrem Recht auf einen Pflichtverkauf Gebrauch.

An der Börse reagierte der Kurs kaum auf die Nachricht. Die Aktie notiert aktuell bei 19,48 PLN. Seit Jahresbeginn verlor das Papier knapp sieben Prozent an Wert.

Bewertung im Detail

Die Gutachter nutzten für die Preisfindung verschiedene Rechenmodelle. Die Spanne reichte von 15,47 PLN bei Cashflow-Modellen bis zu 24,55 PLN bei Marktvergleichen. Der nun fixierte Wert von 19,93 PLN bildet die rechtliche Grundlage für den Ausstieg.

Der vom Mehrheitseigner geplante Squeeze-out ist derweil blockiert. Eine gerichtliche Überprüfung der Beschwerden von Kleinaktionären dauert an. Die Entscheidung der Aufsicht bietet betroffenen Anlegern eine direkte Möglichkeit, ihre Anteile abzugeben.

Expansion trotz Kriegsschäden

Operativ treibt Kernel den Umbau des Konzerns voran. Für 348 Millionen Dollar übernahm das Unternehmen die Enselco Holding. Dieser Zukauf bringt 190.000 Hektar Pachtland sowie Getreidesilos und Bahnwaggons zurück in den Konzernbesitz.

Das operative Umfeld bleibt unterdessen schwierig. Im Juni 2026 beschädigten Drohnenangriffe die Hafeninfrastruktur in der Region Odessa. Kernel prüft derzeit das genaue Ausmaß der finanziellen Schäden an den Getreidespeichern und Verladeanlagen.

Aktionäre können ihre Anteile bis zum 29. Dezember 2026 zum festgelegten Preis einreichen. Diese sechsmonatige Frist sichert einen geordneten Ausstieg aus dem Investment. Der Ausgang des parallelen Gerichtsverfahrens wird über die endgültige Kapitalstruktur der Holding entscheiden.