Ein Absturz am koreanischen Aktienmarkt, ein zweiter Verlusttag in Tokio und plötzlich zittern Anleger weltweit vor der nächsten Korrektur im KI-Sektor. Während Infineon, Broadcom und AMD tief im Minus notieren, geht SoftBank trotz Kurseinbruch einen milliardenschweren Schritt zur Finanzierung seiner KI-Wetten. Und ausgerechnet ServiceNow, monatelang der Prügelknabe unter den Software-Werten, dreht plötzlich deutlich ins Plus.
Die Gemengelage zeigt: Der KI-Handel ist an einem Punkt angekommen, an dem selbst starke Geschäftszahlen nicht mehr automatisch für steigende Kurse sorgen. Steigende Anleiherenditen, nervöse Kreditmärkte und die Sorge vor überzogenen Bewertungen treffen auf eine Branche, die sich an ständige Rekorde gewöhnt hatte.
Infineon: Der Höhenflug bekommt Risse
Infineon gehört zu den größten Verlierern der aktuellen Verkaufswelle. Die Aktie fiel heute um 4,4 Prozent auf 55,27 Euro, nachdem sie bereits gestern bei 57,80 Euro geschlossen hatte. Auf Sicht von sieben Tagen summiert sich das Minus auf 12 Prozent, über 30 Tage sind es 13 Prozent.
Der Kursverfall relativiert sich allerdings, blickt man auf die längere Frist. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Plus von 46 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 50 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 89,67 Euro trennen die Aktie inzwischen 38 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief bei 30,82 Euro weiterhin komfortable 79 Prozent beträgt. Der RSI von 34 signalisiert eine überverkaufte Situation.
Operativ bleibt das Bild robust. Der Konzern hatte zuletzt eine besonders starke Nachfrage nach Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren gemeldet und die Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr angehoben, mit einer angepeilten Segmentmarge von rund 20 Prozent. Analysten bleiben mit einem durchschnittlichen Kursziel von 85,79 Euro und praktisch keiner Verkaufsempfehlung deutlich optimistischer als der Markt derzeit einpreist.
Broadcom: Schnellstes Wachstum, härteste Bewertungsfrage
Kaum ein Wert zeigt den Umschwung in der Stimmung so deutlich wie Broadcom. Die Aktie verlor heute 5,4 Prozent auf 310,25 Euro, nach einem Schlusskurs von 328,05 Euro am Vortag. Über sieben Tage beträgt der Rückgang 14 Prozent, der 50-Tage-Durchschnitt von 339,65 Euro liegt inzwischen 8,7 Prozent über dem aktuellen Niveau.
Vom Rekordhoch bei 429,60 Euro ist die Aktie mittlerweile 28 Prozent entfernt. Seit Jahresbeginn bleibt mit 4,2 Prozent nur noch ein mageres Plus übrig, während die Jahresrendite mit 23 Prozent deutlich stabiler ausfällt. Ein RSI von 33,4 deutet auch hier auf eine überverkaufte Lage hin.
Fundamental liefert Broadcom weiterhin das schnellste Wachstum unter den großen Halbleiterwerten. Im vergangenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz um rund 24 Prozent, der Gewinn legte um fast das Dreifache zu. Trotzdem reagierte der Markt zuletzt nervös auf Bewertungsfragen und zunehmende Konkurrenz im Bereich kundenspezifischer KI-Chips. Analysten halten mit einem Kursziel von 527,88 US-Dollar dennoch an ihrer optimistischen Einschätzung fest. Die nächsten Quartalszahlen Anfang September dürften zeigen, ob die Wachstumsstory im Bereich KI-Halbleiter intakt bleibt.
SoftBank Group: Milliardenanleihe als Vertrauensbeweis
SoftBank geht einen ungewöhnlichen Weg, um seine KI-Investitionen weiter zu finanzieren. Der Konzern plant die Ausgabe von rund einer Billion Yen in siebenjährigen Anleihen an japanische Privatanleger – die größte derartige Unternehmensplatzierung, die in Japan je versucht wurde. Der Zinssatz soll im oberen Bereich um 4 Prozent liegen, die endgültigen Konditionen werden Anfang September erwartet.
Der Zeitpunkt ist heikel. Die Aktie fiel heute um 4,2 Prozent auf 28,80 Euro, nach 30,07 Euro am Vortag, und hat sich seit Anfang Juni nahezu halbiert. Gleichzeitig sind die Kosten zur Absicherung gegen einen Zahlungsausfall des Konzerns spürbar gestiegen. Der RSI von 43 zeigt zumindest keine akute Überverkauftheit mehr an.
Trotz der Turbulenzen bleibt die Analystenschar mehrheitlich positiv gestimmt, drei Viertel der zuletzt befragten Experten sehen die Aktie als Kauf. Im Zentrum der Sorgen stehen fällige Verbindlichkeiten von rund 30 Milliarden US-Dollar in der zweiten Jahreshälfte sowie die wachsende Abhängigkeit von Krediten, die mit dem eigenen Portfolio besichert sind. Finanzchef Yoshimitsu Goto betonte zuletzt, die Verschuldungsquote liege weiterhin unter der selbst gesetzten Obergrenze von 25 Prozent und verbessere sich sogar.
AMD: Cathie Wood steigt aus, der Markt bleibt gespalten
Auch AMD gerät in den Sog der Verkaufswelle. Die Aktie gab heute um 4,4 Prozent auf 399,80 Euro nach, nach einem Schlusskurs von 418,25 Euro tags zuvor. Über 30 Tage beträgt der Rückgang 9,3 Prozent, der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 11 Prozent.
Die längerfristige Bilanz bleibt beeindruckend: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 117 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 180 Prozent. Vom Hoch bei 511,70 Euro trennen die Aktie derzeit 22 Prozent, während der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt mit 40 Prozent weiterhin deutlich positiv ausfällt. Der RSI von 42,8 signalisiert eine neutrale, nicht überverkaufte Lage.
Cathie Woods Ark Invest hat die Aktie zuletzt in mehreren ihrer Fonds verkauft und stattdessen Nvidia-Papiere im Umfang von etwa 22,8 Millionen US-Dollar zugekauft – eine Rotation, die als Signal für eine Präferenzverschiebung innerhalb des Sektors gilt. Operativ liefert AMD weiterhin überzeugende Zahlen: Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 50 Prozent, das Rechenzentrumsgeschäft verdoppelte sich und macht inzwischen 58 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Für das laufende Quartal wird ein Wachstum von rund 41 Prozent erwartet. Um die Kapazitätsausweitung zu finanzieren, hat der Konzern zudem eine mehrteilige Anleihe mit einem Volumen von bis zu 5 Milliarden US-Dollar aufgelegt.
ServiceNow: Der Ausreißer nach oben
Während die Hardware-Werte unter Druck stehen, zeigt ServiceNow ein völlig anderes Bild. Die Aktie sprang heute um 6,1 Prozent auf 109,70 Euro, nach 103,35 Euro am Vortag. Über 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 19 Prozent, der RSI von 61 zeigt eine klar positive Dynamik ohne Überhitzungssignale.
Wells Fargo hob das Kursziel zuletzt von 160 auf 175 US-Dollar an und verwies dabei auf die wachsende Sicherheitsplattform und neue KI-Workflow-Möglichkeiten als Treiber für nachhaltiges Umsatzwachstum. Canaccord Genuity bestätigte parallel seine Kaufempfehlung. Der Analystenkonsens bleibt mit einem durchschnittlichen Kursziel von 140,25 US-Dollar und einem impliziten Aufwärtspotenzial von gut 13 Prozent klar bullish.
Bemerkenswert ist der Kontrast zur langfristigen Kursentwicklung: Über die vergangenen zwölf Monate verlor die Aktie noch rund 27 Prozent, obwohl das Unternehmen eines der stärksten Quartale im Enterprise-Software-Geschäft ablieferte. Der jüngste Kurssprung deutet darauf hin, dass der Markt diese Lücke zwischen operativer Stärke und Bewertung zumindest teilweise zu schließen beginnt.
Sektordynamik: Hardware unter Druck, Software hält dagegen
Die aktuelle Spaltung zwischen Chip- und Softwarewerten lässt sich an mehreren Punkten festmachen:
- Kreditmärkte als Warnsignal: Die Absicherungskosten für Nvidia-Anleihen sind auf ein neues Jahreshoch gestiegen, während Oracle nach einer Herabstufung durch S&P deutlich höhere Risikoaufschläge zahlen muss als der breite Investment-Grade-Markt.
- Finanzierungsdruck nimmt zu: SoftBanks Rekordanleihe und AMDs mehrteilige Schuldenplatzierung zeigen, wie stark KI-exponierte Unternehmen inzwischen auf die Anleihemärkte angewiesen sind, um Kapazitäten auszubauen.
- Bewertungsfrage bei Hardware: Infineon, Broadcom und AMD kämpfen trotz starker KI-getriebener Umsätze mit der gleichen Skepsis – hohe Multiplikatoren treffen auf eine Marktstimmung, die kaum noch Enttäuschungen verzeiht.
- Software als relativer Gewinner: ServiceNow blieb von der hardware-getriebenen Volatilität weitgehend verschont, auch wenn die Aktie zuvor unter der allgemeinen Schwäche des Softwaresektors gelitten hatte.
Ausblick: Enge Terminlage entscheidet über die nächste Richtung
Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob sich die aktuelle Korrektur als Verschnaufpause oder als tiefere Neubewertung entpuppt. Broadcoms Quartalszahlen Anfang September liefern einen frischen Blick auf die Nachfrage nach kundenspezifischen KI-Chips, während die endgültigen Konditionen von SoftBanks Rekordanleihe zeigen werden, wie viel Risikobereitschaft Anleger für KI-Infrastrukturschulden noch mitbringen.
Die anhaltende Nervosität an den asiatischen Börsen, sichtbar am jüngsten Kurssturz in Südkorea, dürfte Werte wie Infineon und AMD weiterhin anfällig für Makro-Schlagzeilen machen, insbesondere bei den Anleiherenditen. Ob ServiceNow seinen jüngsten Schwung in eine nachhaltige Erholung ummünzen kann, hängt letztlich davon ab, ob der Markt beginnt, Profitabilität stärker zu honorieren als reine Infrastruktur-Exposition.
Infineon-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Infineon-Analyse vom 19. August liefert die Antwort:
Die neusten Infineon-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Infineon-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 19. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Infineon: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

