Wachsende Zweifel an der teuren Schuldenfinanzierung des Booms um künstliche Intelligenz haben die Aktienmärkte auf Talfahrt geschickt. Erst am Freitag beruhigte sich das Geschehen nach schweren Verlusten an den Vortagen vorerst. Auslöser waren sprunghaft gestiegene Finanzierungskosten bei Infrastrukturanbietern, die Befürchtungen über eine Überhitzung der Branche schürten.

Im Zentrum der Unruhe steht der Cloud-Dienstleister CoreWeave. Dessen Anleiherenditen kletterten auf Niveaus, wie sie sonst bei bonitätsschwachen Schuldnern vorkommen. Die Furcht vor untragbaren Schuldenbergen im Technologiesektor übertrug sich rasch auf das gesamte Marktsegment.

Asiatische Chiphersteller geraten unter Druck

Besonders hart traf die Verkaufswelle die asiatischen Handelsplätze mit ihrem hohen Halbleiteranteil. Am Donnerstag sackte der südkoreanische Leitindex KOSPI um rund acht Prozent ab. Zeitgleich drückten Berichte über technologische Fortschritte des chinesischen Konkurrenten ChangXin Memory Technologies auf die etablierten Speicherchiphersteller.

Am Freitag setzte eine technische Gegenbewegung ein. Der japanische Nikkei 225 legte um 1,8 Prozent zu, während der KOSPI um 2,8 Prozent stieg. Schnäppchenjäger griffen nach den vorangegangenen Abgaben wieder zu. Allerdings bleibt die Verunsicherung an den Handelsplätzen spürbar.

Spekulative Anleger verbuchen spürbare Verluste

Die abrupte Trendwende erwischte viele institutionelle Investoren auf dem falschen Fuß. Globale Long-Short-Fonds verloren in der Woche bis zum 15. Oktober nach Berechnungen von Goldman Sachs 2,9 Prozent an Wert. Insbesondere auf Asien ausgerichtete Strategien mussten Verluste hinnehmen, da stark nachgefragte Tech-Positionen fluchtartig aufgelöst wurden.

Verstärkt wurde der Abwärtsdruck durch US-Inflationsdaten, die höher ausfielen als erwartet. Teurere Kredite belasten kapitalintensive Geschäftsmodelle im Technologiesektor empfindlich. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Zinserhöhung der Federal Reserve Ende Oktober auf etwa 28 Prozent taxiert.

Die anstehenden Quartalszahlen großer Technologiekonzerne in den kommenden Wochen liefern den nächsten Härtetest für die Bewertungen. Sie müssen belegen, ob die realen Erträge mit den rasant steigenden Investitionsausgaben Schritt halten können.