Kioxia schockt und beruhigt seine Aktionäre am selben Tag. Der japanische Speicherchip-Hersteller verfehlt die Gewinnerwartungen für das laufende Quartal deutlich. Gleichzeitig kündigt das Management einen Aktiensplit und ein milliardenschweres Rückkaufprogramm an.

Die Aktie schließt am Freitag bei 240,05 Euro, ein Minus von 10,76 Prozent an einem einzigen Tag. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier fast die Hälfte seines Werts verloren. Der Kurs liegt nun 61,34 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 621 Euro, das erst am 22. Juni erreicht wurde.

Split soll neue Anleger anlocken

Der Vorstand hat einen Aktiensplit im Verhältnis 3-zu-1 beschlossen. Stichtag ist der 30. September, wirksam wird die Maßnahme am 1. Oktober. Der Split braucht noch die formale Zustimmung der Gremien.

Der Hintergrund: Nach der außergewöhnlichen Rally in diesem Jahr war eine einzelne Kioxia-Aktie für viele Privatanleger schlicht zu teuer geworden. Mit dem Split will das Unternehmen die Einstiegshürde senken und den Aktionärskreis verbreitern. Parallel erhöht Kioxia das genehmigte Grundkapital und richtet eine Struktur für den Erwerb eigener Aktien ein.

Rückkauf startet am Montag

Noch bedeutender für die kurzfristige Kursreaktion dürfte das Rückkaufprogramm sein. Kioxia darf bis zu 30 Millionen Aktien zurückkaufen, das entspricht 5,5 Prozent aller ausstehenden Anteile ohne eigene Bestände. Das Maximalvolumen liegt bei 800 Milliarden Yen, umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro.

Der Rückkaufzeitraum läuft vom 3. August bis zum 30. Oktober 2026 über die Tokioter Börse. Die Dimension des Programms fällt auf: Die Obergrenze übersteigt sogar die 791 Milliarden Yen Cash, die das Unternehmen zum Quartalsende hielt. Sie entspricht zudem 92 Prozent des operativen Cashflows aus dem ersten Quartal.

Eine Zwischendividende zahlt Kioxia diesmal nicht. Der Aktienrückkauf wird damit faktisch zum einzigen Kanal für Ausschüttungen an die Aktionäre.

Warum beides jetzt kommt

Die Doppel-Ankündigung folgt auf Quartalszahlen, die zwar historische Vergleichswerte übertreffen, aber die aktuellen Erwartungen der Analysten verfehlen. Für das laufende Geschäftshalbjahr rechnet Kioxia mit einem operativen Gewinn von 3,16 Billionen Yen, umgerechnet etwa 19,7 Milliarden Dollar. Das bedeutet für das laufende Quartal nur noch 1,89 Billionen Yen – schwächer als erwartet, nachdem das Juni-Quartal bereits mit 1,27 Billionen Yen unter den Analystenschätzungen blieb.

Split und Rückkauf sollen explizit die Volatilität senken und den Aktionärskreis verbreitern. Diese Begründung hat Gewicht. Kioxia gilt bereits als die schwankungsanfälligste große Aktie Japans. Erst im Juni war der Konzern kurzzeitig das wertvollste Unternehmen des Landes, bevor KI-bedingte Zweifel die Marktkapitalisierung binnen kurzer Zeit halbierten.

Ein weiterer Faktor könnte die Schwankungen künftig noch verstärken. Kioxia würde das erste japanische Unternehmen, dessen Aktien Basis für gehebelte Single-Stock-ETFs werden. Mindestens neun solcher Fonds wollen die zwei- oder inverse zweifache Tagesrendite der Kioxia-Aktie oder ihrer ADRs abbilden, vorbehaltlich der Zulassung durch die US-Aufsicht.

Solide Bilanz als Rückhalt

Dass Kioxia trotz der Gewinnwarnung gleich zwei Kapitalmaßnahmen gleichzeitig stemmt, liegt an einer sich schnell verbessernden Bilanz. Die Eigenkapitalquote kletterte binnen eines Quartals von 37,9 auf 50,8 Prozent, das Eigenkapital wuchs um rund eine Billion Yen. CEO Hiroo Ota untermauert die Wachstumserzählung hinter dem Rückkauf: Das Unternehmen werde durch den Ausbau der Fab2-Fertigung die steigende Marktnachfrage vollständig bedienen können.

Der strukturelle Nachfragehintergrund bleibt für den NAND-Speicherhersteller konstruktiv. Kioxia beschreibt den globalen NAND-Markt weiterhin als angespannt, mit wachsender Nachfrage nach Enterprise-SSDs für KI-Training und -Inferenz. Da große Speicherhersteller ihre Investitionen seit zwei Jahren zurückhalten, bleiben die Branchenlagerbestände niedrig.

Was diese Woche zählt

Der Rückkauf beginnt am Montag, den 3. August – der Markt dürfte genau beobachten, wie die Nachfrage die anhaltend hohe Schwankungsbreite beeinflusst. Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei über 189 Prozent, der RSI von 38,8 signalisiert eine Aktie, die sich der überverkauften Zone nähert. Bis zum Split-Termin im Oktober dürfte die Aktie damit ein Fall für nervenstarke Anleger bleiben.