Rekordgewinn, 45-fache Steigerung beim Nettoergebnis – und trotzdem bricht die Aktie zweistellig ein. Bei Kioxia zeigt sich gerade, wie brutal hoch die Latte für einen KI-Gewinner liegen kann. Der japanische Speicherchip-Hersteller verfehlte am Freitag die Erwartungen nur knapp. Die Börse reagierte trotzdem gnadenlos.

Die Aktie fiel um 10,20 Prozent auf 246,05 Euro. Der Titel notiert damit 60,38 Prozent unter seinem Rekordhoch von 621,00 Euro, das erst am 22. Juni erreicht wurde. Der Absturz vom Hoch ist auch relativ zu sehen: Seit Jahresbeginn steht bei Kioxia dennoch ein Plus von 331,67 Prozent.

Zahlen explodieren, Erwartungen waren höher

Im ersten Geschäftsquartal bis Ende Juni erzielte Kioxia einen Nettogewinn von 842,2 Milliarden Yen. Im Vorjahresquartal waren es gerade einmal 18,3 Milliarden Yen. Der Umsatz sprang um 415,5 Prozent auf 1,767 Billionen Yen, das operative Ergebnis kletterte auf 1,27 Billionen Yen.

Analysten von Bloomberg hatten im Schnitt mit 1,8356 Billionen Yen Umsatz gerechnet, beim operativen Gewinn mit 1,3701 Billionen Yen. Kioxia blieb knapp darunter. Nach Monaten rasanter Kursgewinne reichte diese kleine Lücke, um Anleger zum Verkauf zu bewegen.

Der Treiber hinter den Zahlen bleibt der Boom bei generativer KI. Cloud-Anbieter und Rechenzentren kaufen massiv Speicherkapazität. Die durchschnittlichen Verkaufspreise für Kioxias Produkte legten im vergangenen Quartal um rund 70 Prozent zu.

Management erwartet Engpass bis 2027

Das Unternehmen rechnet damit, dass der Angebotsengpass bei NAND-Flash-Speicher bis 2027 anhält. Grund sind die weiter steigenden Infrastrukturinvestitionen globaler Cloud-Anbieter. Besonders gefragt: hochkapazitive Enterprise-SSDs für KI-Workloads.

Für das laufende zweite Geschäftsquartal von Juli bis September plant Kioxia mit einem operativen Gewinn von 1,89 Billionen Yen bei einem Umsatz von 2,39 Billionen Yen. Der Analystenkonsens von LSEG lag bei 1,95 Billionen Yen operativem Gewinn – auch hier bleibt die eigene Prognose leicht darunter. Trotzdem würde das gegenüber dem ersten Quartal einen deutlichen Sprung bedeuten.

Aktiensplit und Aktienrückkauf geplant

Der Vorstand hat einen Aktiensplit im Verhältnis 3:1 beschlossen. Er soll die Titel für mehr Anleger zugänglich machen und tritt am 1. Oktober 2026 in Kraft. Parallel dazu genehmigte das Board ein Rückkaufprogramm von bis zu 800 Milliarden Yen, mit dem Kioxia bis zu 5,5 Prozent der ausstehenden Aktien einziehen will.

Auf der Produktseite bringt Kioxia Tempo. Am 30. Juli stellte das Unternehmen die CM10-Serie vor – die ersten Enterprise-SSDs mit PCIe-6.0-Standard und direkter Flüssigkühlung, zugeschnitten auf KI-Workloads. Zusätzlich laufen bereits Musterlieferungen der neunten BiCS-FLASH-Generation mit 1 Terabit TLC-Speicher, die dank neuem Stapelverfahren 33 Prozent schnellere Schnittstellen bietet und auf KI-fähige PCs und Smartphones zielt.

Die Kombination aus Rekordgewinn und Kursabsturz macht deutlich, wie sehr der Markt bei Kioxia inzwischen Perfektion einpreist. Ein knappes Verfehlen der ohnehin ambitionierten Prognosen reicht aus, um Gewinnmitnahmen auszulösen. Ob der für Oktober geplante Aktiensplit neue Käufer anzieht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.