Kioxia verliert Marktanteile an Micron – und die Aktie steigt trotzdem. Der Widerspruch löst sich schnell auf: Der komplette Produktionsplan für 2026 ist bereits verkauft. Wer NAND-Flash-Speicher für KI-Server braucht, kommt an Kioxia kaum vorbei.
Micron zieht an Kioxia vorbei
Die Marktforscher von TrendForce veröffentlichten am 18. August neue Zahlen zur globalen NAND-Flash-Branche. Ergebnis: Kioxia rutscht auf Platz vier der Hersteller nach Umsatzanteil.
Der Grund ist ein regelrechter Sprung von Micron Technology. Der US-Konzern steigerte seinen Umsatz im zweiten Quartal 2026 um 99,2 Prozent. Damit überholt Micron den japanischen Rivalen und sichert sich Platz drei im globalen Ranking.
Kioxia selbst blieb keineswegs schwach. Der Umsatz kletterte um 79,9 Prozent auf rund 10,72 Milliarden Dollar. Trotzdem sank der globale Marktanteil leicht auf 13,6 Prozent – im ersten Quartal lagen Kioxia, Micron und SanDisk mit jeweils 13,9 Prozent noch nahezu gleichauf. Den Ausschlag gaben laut TrendForce vor allem die schnell wachsenden Enterprise-SSD-Lieferungen von Micron.
Die Kapazität für 2026 ist komplett vergeben
Der Rangverlust wirkt auf den ersten Blick wie schlechte Nachricht. Die eigentliche Meldung des Tages liegt aber woanders: Kioxia bestätigte am 19. August offiziell, dass die gesamte NAND-Flash-Produktion für 2026 bereits ausverkauft ist.
Treiber dieses Engpasses ist der anhaltende Boom bei KI-Infrastruktur und Hochleistungsrechnern. Das Management kündigte an, den verbleibenden Output nicht einfach an den Meistbietenden zu vergeben. Stattdessen sollen langfristige strategische Partner bevorzugt beliefert werden, um Lieferstabilität zu sichern.
Analysten von Gartner und TrendForce gehen davon aus, dass dieser Angebotsengpass und der daraus resultierende Preisdruck nach oben bis Ende 2027 anhalten könnten. Für die Preisgestaltung bei Enterprise-Speicherlösungen wäre das ein langfristig günstiges Umfeld für Kioxia.
BiCS8 und die Wette auf KI-Server
Das Umsatzwachstum im jüngsten Quartal stützte sich auf anhaltend hohe NAND-Preise und den weiteren Ausbau der BiCS8-Prozesstechnologie. Kioxia verschiebt sein Portfolio zunehmend in Richtung hochkapazitiver Enterprise-SSDs – genau jener Speicherklasse, die KI-Server benötigen.
Erst Anfang August präsentierte das Unternehmen auf der FMS-2026-Konferenz seine neue GP1-Serie mit PCIe-6.0-NVMe-SSDs, die dort die Auszeichnung „Best of Show“ erhielt. Die Produkte basieren auf der zehnten Generation der BiCS-FLASH-Speichertechnologie und sind als Speichererweiterung für GPUs konzipiert – mit extrem niedriger Latenz, wie sie moderne KI-Workloads verlangen.
Kursbild bleibt volatil
Die Aktie legte am Donnerstag um 1,6 Prozent zu und notiert bei 280,00 Euro. Damit bleibt der Titel weit von seinem Rekordhoch von 621,00 Euro aus dem Juni entfernt – ein Abstand von 55 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 391 Prozent zu Buche.
Anleger wägen aktuell zwei Signale gegeneinander ab: den Marktanteilsverlust an Micron auf der einen Seite, die komplett ausgebuchte Produktion und das günstige Preisumfeld im Enterprise-Speicher-Segment auf der anderen. Wie sich dieses Spannungsfeld auflöst, dürfte sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen – insbesondere daran, wie sich die Marge unter dem Verkaufsdruck bei knapper Kapazität entwickelt.
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