Ein breiter Ausverkauf bei Halbleiterwerten hat die Kioxia-Aktie am Donnerstag in Tokio kräftig unter Druck gesetzt. Das Papier verlor im Handelsverlauf rund neun Prozent und rutschte damit deutlich unter seinen 50-Tage-Durchschnitt, zu dem inzwischen ein Abstand von -33,12 Prozent besteht. Aktuell notiert die Aktie bei 267,80 Euro, nach einem Tagesminus von -9,27 Prozent. Auslöser der Bewegung sind laut Marktberichten Sorgen um die Nachhaltigkeit der milliardenschweren KI-Investitionen der Branche sowie ein schwächer als erwartet ausgefallener Quartalsgewinnausblick.

Rekordumsatz verfehlt trotzdem die Erwartungen

Der Ausverkauf trifft Kioxia nur wenige Tage nach der Vorlage der Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (April bis Juni). Der Speicherchip-Hersteller meldete am 31. Juli einen Rekordumsatz von 1.767 Milliarden Yen, ein Plus von 415,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, sowie einen operativen Gewinn nach Non-GAAP-Rechnung von 1.326 Milliarden Yen. Beide Werte blieben jedoch hinter den Konsensschätzungen von Bloomberg zurück, die 1.835 Milliarden Yen Umsatz und 1.370 Milliarden Yen operativen Gewinn erwartet hatten.

Für das zweite Quartal legte das Unternehmen eine vorsichtige Prognose vor: Der operative Gewinn soll bei 1,89 Billionen Yen liegen, eingebettet in eine Halbjahresprognose von 3,16 Billionen Yen. Analysten werteten den zurückhaltenden Ausblick als Signal, dass sich das Wachstum bei den Speicherpreisen abschwächt. Zusammen mit den verfehlten Konsensschätzungen erklärt dieser Ausblick einen erheblichen Teil der aktuellen Verunsicherung unter Anlegern.

Aktiensplit im Herbst geplant

Parallel zu den Quartalszahlen kündigte Kioxia einen Aktiensplit im Verhältnis 3:1 an, der zum 1. Oktober 2026 wirksam werden soll. Ziel der Maßnahme ist es, die Liquidität der Aktie zu erhöhen und die Investorenbasis zu verbreitern – ein Schritt, der angesichts der massiven Kursschwankungen der vergangenen Monate für kleinere Anleger relevant werden könnte.

Neue Produkte auf der FMS 2026

Auf der Fachkonferenz FMS 2026 präsentierte Kioxia am heutigen Donnerstag seine neue SSD-Serie „GP1″, die für KI-Workloads eine Leistung von 10 Millionen IOPS erreichen soll. Erste Evaluierungsmuster sollen bis Ende 2026 an ausgewählte Kunden gehen. Bereits am Vortag hatten Kioxia und der Partner Western Digital (SanDisk) eine neue 3D-Flashspeicher-Technologie vorgestellt, die mittels sogenannter CMOS-directly-Bonded-to-Array-Technik (CBA) die nach eigenen Angaben höchste Bitdichte für QLC-NAND-Speicher der Branche erreicht.

Aktionärsstruktur im Umbau

Auch auf Eigentümerseite bewegt sich einiges. Bain Capital hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate den Großteil seiner Kioxia-Anteile verkauft und dabei Erlöse von rund 2,5 Billionen Yen, umgerechnet etwa 14,9 Milliarden Dollar, erzielt. Toshiba hat dadurch mit einem Anteil von 15 Prozent wieder die Position des größten Anteilseigners übernommen. SK Hynix hält über Wandelanleihen faktisch rund 14 Prozent und ist damit zweitgrößter Anteilseigner, formale Stimmrechte hängen jedoch noch von laufenden kartellrechtlichen Prüfungen ab. SK Hynix selbst erwägt nach eigenen Angaben ein größeres Aktionärsrückkaufprogramm, unter anderem gestützt auf gestiegene Barmittel, die teils aus dem Verkauf der Kioxia-Beteiligung über das von Bain Capital geführte Konsortium stammen.

Zusätzliche Unsicherheit bringt eine Pflichtmitteilung vom 3. August: Kioxia informierte über ein Urteil in einem Rechtsstreit gegen Tochtergesellschaften, ohne die konkreten finanziellen Auswirkungen näher zu beziffern. Die Meldung folgt auf eine frühere Mitteilung zu einem Geschworenenverdikt vom 17. Juli.

Analysten uneins über den fairen Wert

Die Analysehäuser bewerten die Aktie derzeit sehr unterschiedlich. Bernstein bekräftigte am 28. Juli seine „Sell“-Einstufung mit einem Kursziel von 40.000 Yen und verwies auf das Risiko eines möglichen Angebotsüberhangs am NAND-Markt gegen Ende 2027. Morningstar hielt dagegen am 4. August an einer Fair-Value-Schätzung von 65.000 Yen fest und wertete die Investitionsdisziplin des Unternehmens – für das laufende Geschäftsjahr sind Investitionen von 450 Milliarden Yen geplant – trotz eines um sieben Prozent verfehlten internen Umsatzziels im ersten Quartal als positiven Faktor.