Kioxia steht vor dem wohl wichtigsten Termin seit dem Börsengang: Am Freitag legt der japanische Speicherchip-Hersteller die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. Nach einem der heftigsten Kursstürze der jüngeren Chipbranche richten sich alle Blicke auf die Frage, ob das Unternehmen die selbst gesteckten Ziele erreicht – und ob Aktienrückkäufe oder Dividenden die verunsicherten Anleger beruhigen können.

Im deutschen Handel notiert die Aktie am Donnerstag bei 216,00 Euro und legt damit um 3,35 Prozent zu, nachdem sie am Mittwoch noch bei 209,00 Euro geschlossen hatte. Die Erholung wirkt jedoch klein gegen den Absturz der vergangenen Wochen: Auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 35,52 Prozent zu Buche, auf 30 Tage sogar von 57,94 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 621,00 Euro, erreicht im Juni, fehlen der Aktie derzeit 65,22 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 34,0 signalisiert eine überverkaufte Situation, die kurzfristige Gegenbewegungen wie die heutige begünstigt.

Vom teuersten Unternehmen Japans zum Sorgenkind

Die Dimension des Absturzes lässt sich am besten in Tokio nachvollziehen, wo die Kioxia-Aktie ihre Heimatnotierung hat. Dort erreichte das Papier am 22. Juni mit 112.700 Yen ein Allzeithoch und überholte kurzzeitig sogar Toyota als wertvollstes Unternehmen Japans, wie BeInCrypto berichtete. Am Donnerstag schloss die Aktie in Tokio bei 39.500 Yen – ein Rückgang von rund 65 Prozent, der nach Angaben von BeInCrypto einen Marktwert von etwa 245 Milliarden Dollar vernichtet hat.

Ausgelöst wurde die Talfahrt durch eine Kombination aus Gewinnmitnahmen nach der starken KI-getriebenen Rally und wachsenden Sorgen vor einem NAND-Überangebot ab 2027, da Samsung, SK Hynix und chinesische Anbieter wie YMTC ihre Kapazitäten ausbauen. Verschärft wurde der Ausverkauf durch den vollständigen Ausstieg von Bain Capital, der laut TradingKey seinen gesamten Anteil Anfang Juli liquidierte und dabei rund 17 Milliarden Dollar erlöste. Der Analysedienst Simply Wall St bezifferte die Kioxia-Bewertung zuletzt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 37,9 – deutlich über dem Branchendurchschnitt japanischer Halbleiterwerte von 20,9.

Analysten erwarten deutlichen Gewinnsprung

Kioxia selbst hatte bereits vorab eine Prognose für das erste Quartal veröffentlicht: Der Umsatz soll bei 1,75 Billionen Yen liegen, der operative Gewinn bei 1,298 Billionen Yen und der Nettogewinn bei 869 Milliarden Yen. Das entspräche laut TradingKey einem Sprung des operativen Gewinns von 117 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Goldman Sachs geht mit 1,417 Billionen Yen sogar über diese Guidance hinaus, während Citi einen operativen Gewinn von 1,40 Billionen Yen erwartet.

Neben den reinen Zahlen dürfte der Ausblick auf das zweite Quartal über die Kursreaktion entscheiden. Investoren wollen laut TradingKey vor allem wissen, wie schnell Kioxia seine Produktionskapazitäten ausbaut und ob das Unternehmen konkrete Signale zu Aktienrückkäufen liefert. BeInCrypto berichtet, ein Kioxia-Sprecher habe erklärt, Dividenden blieben Priorität, Rückkäufe würden aber geprüft – eine endgültige Entscheidung stehe noch aus. Der Cashflow werde durch langfristige Lieferverträge und stabile Nachfrage aus Rechenzentren gestützt.

Neue Speicherchips für KI-PCs und Rechenzentren

Parallel zur Berichtssaison treibt Kioxia sein Produktportfolio voran. Das Unternehmen begann mit der Musterauslieferung von 1-Terabit-TLC-Bausteinen der neunten BiCS-FLASH-Generation mit 230 gestapelten Schichten. Die neue NAND-Schnittstelle erreicht eine Geschwindigkeit von 4,8 Gigabit pro Sekunde, ein Plus von 33 Prozent gegenüber der Vorgängergeneration. Die Chips zielen auf KI-PCs und Smartphones mit niedrigem bis mittlerem Speicherbedarf, während eine parallele zehnte Generation für besonders hohe Kapazitäten entwickelt wird.

Für Rechenzentren stellte Kioxia zudem die NX1-Serie vor, die erste SSD-Baureihe mit direkter Flüssigkühlung für KI-Anwendungen. Die Laufwerke im E1.S-Formfaktor nutzen das PCIe-5.0- und NVMe-2.0-Interface und decken Kapazitäten von 1,92 bis 15,36 Terabyte ab. Die sequenzielle Schreibgeschwindigkeit soll gegenüber der bisherigen XD8-Serie um bis zu 38 Prozent steigen. Kioxia liefert bereits Muster an Großkunden aus und präsentiert die Serie kommende Woche auf der Fachmesse FMS in Santa Clara.

Für Anleger bleibt die Gemengelage anspruchsvoll: Ein volatiler Kurs mit einer annualisierten Schwankungsbreite von 163,24 Prozent, ein Analystenlager, das trotz des Absturzes höhere Gewinne erwartet, und eine Branche, deren KI-Boom ebenso schnell hinterfragt wie gefeiert wird. Die Zahlen am Freitag dürften zeigen, welche dieser Kräfte kurzfristig überwiegt.