Kioxia hat einen neuen größten Aktionär – und der ist eng mit dem südkoreanischen Rivalen SK Hynix verbunden. Am 10. August teilte der japanische Speicherchip-Hersteller mit, dass die Investmentgesellschaft BCPE Pangea Cayman2, ein Vehikel von Bain Capital, nach einer Reduzierung des Toshiba-Anteils passiv zum größten Anteilseigner aufgestiegen ist.

Toshiba hatte seinen Anteil von 14,48 Prozent auf rund 14,12 Prozent gesenkt. Damit rückte das Bain-Vehikel automatisch an die Spitze der Aktionärsliste, ohne selbst zugekauft zu haben. Brisant ist die Konstruktion im Hintergrund: SK Hynix hält Wandelanleihen, die sich auf nahezu sämtliche Stimmrechte dieses Vehikels beziehen.

Bis 2028 darf SK Hynix jedoch nicht mehr als 15 Prozent der Stimmrechte an Kioxia halten – eine vertragliche Beschränkung, die verhindert, dass der Wettbewerber offen die Kontrolle übernimmt.

Wandelanleihen als Hebel für den Wettbewerber

Für Anleger ist die Konstellation heikel, weil sie zeigt, wie eng die beiden großen NAND-Hersteller mittlerweile miteinander verflochten sind. SK Hynix sichert sich über die Anleihenstruktur wirtschaftlichen Einfluss auf Kioxia, ohne formal als Großaktionär in Erscheinung zu treten.

Die Grenze von 15 Prozent Stimmrechten bleibt bis 2028 in Kraft, dürfte danach aber neu verhandelbar sein. Für den Markt ist das ein Signal, dass die Konsolidierung im Speicherchip-Sektor weitergeht, auch wenn sie sich vorerst über Umwege statt über offene Übernahmen vollzieht.

Kurs bleibt volatil, Erholung setzt sich fort

Die Kioxia-Aktie hat hinter sich eine der turbulentesten Phasen des Jahres. Vor rund zwei Wochen brach das Papier im Zuge eines breiten Ausverkaufs bei Halbleiterwerten binnen eines Tages zweistellig ein, ausgelöst durch einen Sprung der japanischen Zehnjahresrendite auf den höchsten Stand seit 1996. Seither hat sich der Kurs um 7,6 Prozent erholt.

Am Freitag legte das Papier um 4,5 Prozent zu und schloss bei 292,75 Euro. Auf Wochensicht steht dennoch ein leichtes Minus von 0,4 Prozent zu Buche, auf Monatssicht ein deutlicherer Rückgang von 18 Prozent.

Die Schwankungsbreite bleibt außergewöhnlich hoch: Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 173 Prozent. Seit Jahresbeginn hat sich die Aktie dennoch mehr als vervierfacht, mit einem Plus von 414 Prozent.

Zum 52-Wochen-Hoch aus dem Juni fehlen dem Titel derzeit noch 53 Prozent, während der Abstand zum Tief aus dem Oktober vergangenen Jahres bei 486 Prozent liegt – ein Beleg für die enorme Bandbreite, in der sich die Aktie binnen eines Jahres bewegt hat.

Aktionärsstruktur bleibt im Fokus

Für Anleger dürfte in den kommenden Wochen entscheidend sein, wie sich die Beziehung zwischen Toshiba, Bain Capital und SK Hynix weiterentwickelt. Die formale Mitteilung über den Wechsel an der Aktionärsspitze ist zwar eine Pflichtveröffentlichung ohne unmittelbare operative Konsequenz, sie verändert aber die Machtverhältnisse rund um den Speicherchip-Hersteller nachhaltig.

Sollte SK Hynix nach 2028 die Stimmrechtsgrenze überschreiten dürfen, entstünde ein Szenario mit deutlich engerer Verzahnung zweier der größten NAND-Produzenten weltweit. Bereits jetzt zeigt die Struktur, dass Toshiba als ursprünglicher Ankeraktionär an Einfluss verliert, während neue Kapitalgeber mit Verbindungen zur Konkurrenz an Gewicht gewinnen.