Ein globaler Ausverkauf bei Speicherchip-Herstellern hat Kioxia am heutigen Mittwoch massiv unter Druck gesetzt. Die Aktie verlor im japanischen Handel über 12 Prozent auf 49.950 Yen, während der breitere Markt in Ostasien einbrach. Der südkoreanische Leitindex Kospi stürzte um 5,80 Prozent ab, ausgelöst durch einen Sell-Sidecar-Mechanismus, der bereits kurz nach Handelsbeginn zum 48. Mal in der Geschichte des Index griff.

Auslöser der Verkaufswelle waren stark gestiegene US-Anleiherenditen: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte mit 5,3371 Prozent den höchsten Stand seit fast 20 Jahren, die zehnjährige Rendite kletterte auf rund 4,70 Prozent, ein 19-Monats-Hoch. Hinzu kamen Spannungen im Nahen Osten und ein Anstieg der Ölpreise – Brent-Rohöl notierte über 91 Dollar je Barrel.

Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung kapitalintensiver Chip-Investitionen und schürten Zweifel an weiteren Ausgaben für KI-Infrastruktur und Rechenzentren.

Samsung und SK Hynix reißen die Branche mit

Kioxia stand nicht allein im Fokus der Verkäufer. Samsung Electronics fiel um 7,82 Prozent auf 247.500 Won, SK Hynix brach um 9,75 Prozent auf 1,5 Millionen Won ein. Laut Macquarie zeichneten die beiden koreanischen Schwergewichte allein für 71 Prozent der Kospi-Verluste im Juli verantwortlich – ihre Kurse fielen im Schnitt um 48 Prozent, während der Rest des Index nur 26 Prozent verlor.

Ausländische Investoren und Institutionen verkauften laut Marktdaten koreanischer Börsenteilnehmer Aktien im Gegenwert von umgerechnet rund 3,5 Milliarden Dollar netto.

SK Hynix reagierte auf den Kurseinbruch noch am selben Tag mit einer außergewöhnlichen Ankündigung: Der Konzern kündigte ein Aktienrückkauf- und Vernichtungsprogramm über 40 Billionen Won an, umgerechnet rund 28 Milliarden Dollar – die größte Vernichtung eigener Aktien in der Geschichte des südkoreanischen Kapitalmarkts. Die Aktie erholte sich daraufhin im nachbörslichen Handel um mehr als 6 Prozent. Ein vergleichbares Signal von Kioxia blieb bislang aus.

Fundamentaldaten stehen im Kontrast zum Kursverfall

Der Ausverkauf trifft eine Branche, die zuletzt operativ glänzte. Nach Daten von TrendForce stieg der gemeinsame Umsatz der fünf größten NAND-Hersteller im zweiten Quartal um 76 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 68,7 Milliarden Dollar.

Kioxia selbst legte dabei um 79,9 Prozent auf 10,72 Milliarden Dollar zu – ein stärkeres Wachstum als bei Samsung, das um 70,7 Prozent zulegte, aber weniger als bei Micron mit einem Plus von 99,2 Prozent.

Marktbeobachter bei Macquarie sprechen angesichts der Nachfragelage von der „schlimmsten Speicherknappheit der Geschichte“, mit Angebotsengpässen, die sich über bis zu drei Jahre hinziehen könnten.

Dieser Widerspruch zwischen robusten Geschäftszahlen und der heftigen Kursreaktion zeigt sich auch in den Handelsdaten: Kioxia notiert mit 281,95 Euro rund 26 Prozent unter dem eigenen 50-Tage-Durchschnitt von 379,49 Euro und hat sich damit deutlich vom 52-Wochen-Hoch von 621,00 Euro entfernt.

Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 176 Prozent unterstreicht, wie nervös der Markt die Aktie derzeit handelt – nicht wegen der operativen Entwicklung, sondern wegen der makroökonomischen Gemengelage aus Zinsen, Öl und geopolitischen Risiken.