Ein Rekordgewinn bei Samsung sorgt ausgerechnet für einen Kurssturz bei der gesamten Chipbranche. KLA-Tencor trifft es besonders hart: Die Aktie des Chip-Ausrüsters fällt am Dienstag um 5,73 Prozent auf 192,60 Euro. Am Vortag lag der Schlusskurs noch bei 204,30 Euro. Binnen sieben Handelstagen hat das Papier rund 27 Prozent verloren.
Samsungs Zahlen lösen Branchenbeben aus
Der Auslöser klingt paradox. Samsung Electronics meldete vorläufige Zahlen zum zweiten Quartal mit einem Gewinnsprung von 1.810 Prozent auf 89,4 Billionen Won. Trotzdem brach die Samsung-Aktie in Seoul um fast zehn Prozent ein.
Der Grund: Anleger nutzen die Rekordzahlen offenbar zum Ausstieg. Nach einer langen Kursrally im Halbleitersektor setzt nun eine breite Gewinnmitnahme ein. Die Verkaufswelle erfasst nicht nur Samsung, sondern auch KLA-Tencor, ASML und Applied Materials. Am Dienstag gaben sowohl der Nasdaq 100 als auch der Philadelphia Semiconductor Index nach. Im Kern zweifeln Investoren, ob die aktuellen KI-Investitionen der Branche auf Dauer tragbar sind.
Geschäftszahlen widersprechen dem Kursverfall
Die operative Entwicklung bei KLA-Tencor passt nicht zum Kursbild. Im jüngsten Quartal verdiente das Unternehmen 9,40 Dollar je Aktie. Analysten hatten im Schnitt nur 0,92 Dollar erwartet. Der Umsatz stieg um 11,5 Prozent auf 3,42 Milliarden Dollar.
Auch der Ausblick fällt optimistisch aus. Das Management rechnet im margenstarken Segment für KI-gestützte Chip-Verpackung mit kräftigem Wachstum. Der Umsatz soll von rund 635 Millionen Dollar im Jahr 2025 auf etwa eine Milliarde Dollar im Jahr 2026 steigen. Für 2027 stellt KLA-Tencor sogar noch höhere Wachstumsraten in Aussicht.
Morgan Stanley erhöht Kursziel deutlich
Die Diskrepanz zwischen Fundamentaldaten und Kursverlauf fällt auch Analysten auf. Morgan Stanley bestätigte am Dienstag die Einstufung „Overweight“ und hob das Kursziel von 190 auf 274 Dollar an. Die Bank sieht die aktuelle Korrektur offenbar als Abkopplung vom langfristigen Wachstumspfad des Unternehmens in der Wafer-Inspektion.
Technisch betrachtet gilt die Aktie inzwischen als überverkauft. Der 14-Tage-RSI ist auf 24,9 gefallen, deutlich unter die Schwelle von 30. Historisch folgt auf solche Werte häufig eine Stabilisierungsphase. Die annualisierte Volatilität von fast 283 Prozent zeigt aber, wie heftig die Kursausschläge derzeit ausfallen.
Insider-Verkauf und Kapitalrückführung
Parallel zur Marktturbulenz wurde ein Insidergeschäft bekannt. CFO Bren D. Higgins verkaufte am 2. Juli 27.701 Aktien zu einem Durchschnittskurs von 265,69 Dollar. Der Verkauf im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans nach Rule 10b5-1 brachte rund 7,36 Millionen Dollar ein.
Trotz des Kursdrucks hält KLA-Tencor an seiner Ausschüttungspolitik fest. Das Unternehmen hat ein Aktienrückkaufprogramm über 7 Milliarden Dollar genehmigt und zahlt weiterhin eine Quartalsdividende von 0,23 Dollar je Aktie. Ob sich der RSI-Wert im überverkauften Bereich als Wendepunkt erweist, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen, wenn sich die Reaktion auf die Samsung-Zahlen in der gesamten Branche weiter setzt.
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