Die Klarna-Aktie bricht am Donnerstag um mehr als 27 Prozent auf rund 13,80 Dollar ein – historischer Tiefstand. Seit dem Börsengang im September 2025 haben Anleger bereits über 70 Prozent verloren. Was ist bei dem schwedischen Fintech-Konzern los?

Milliarden-Umsatz reicht nicht

Klarna meldet für das vierte Quartal 2025 erstmals einen Umsatz von über einer Milliarde Dollar – genau 1,08 Milliarden Dollar, ein Plus von 38 Prozent zum Vorjahr. Auch der Brutto-Warenwert (GMV) übertraf mit 38,7 Milliarden Dollar die Analystenerwartungen von 38,1 Milliarden Dollar. Die Zahlen lagen damit über den Prognosen der Wall Street.

Doch die Anleger reagieren mit massiven Verkäufen. Die Marktkapitalisierung ist mittlerweile auf unter 8 Milliarden Dollar geschrumpft. Vom Höhepunkt 2021, als Klarna mit 45,6 Milliarden Dollar das wertvollste Einhorn der Welt war, sind nur noch Trümmer übrig.

Starkes US-Wachstum, schwache Börse

Die operativen Kennzahlen zeigen eigentlich eine andere Geschichte. In den USA legte der Umsatz um 58 Prozent zu, die Anzahl der US-Kunden erreichte 29 Millionen. Mittlerweile haben 11 Prozent der US-Bevölkerung Klarna in den letzten zwölf Monaten genutzt.

Besonders dynamisch entwickelt sich das Segment Fair Financing – eine Alternative zu herkömmlichen Kreditkarten. Hier beschleunigte sich das Wachstum von 139 Prozent im dritten Quartal auf 165 Prozent im Schlussquartal 2025. Die Zahl der aktiven Kartennutzer stieg auf 4,2 Millionen, ein Zuwachs von 1,9 Millionen binnen drei Monaten.

KI-Effizienz trifft auf Bewertungsskepsis

Klarna-CEO Sebastian Siemiatkowski betont die Transformation vom reinen Zahlungsdienstleister zur digitalen Bank. Banking-Kunden, die über einfache Zahlungsdienste hinaus Produkte wie Karten oder Sparanlagen nutzen, haben sich auf 15,8 Millionen verdoppelt. Diese Kundengruppe generiert mit 107 Dollar pro Nutzer mehr als dreimal so viel Umsatz wie der Durchschnitt.

Durch KI-gestützte Prozesse konnte das Unternehmen die Kosten drastisch senken. Seit Ende 2022 wuchs der Umsatz um 104 Prozent, während die Betriebskosten um 8 Prozent sanken. Die Mitarbeiterzahl wurde um 49 Prozent reduziert, der Umsatz pro Mitarbeiter kletterte auf 1,24 Millionen Dollar.

Doch an der Börse zählt offenbar nur eines: Aus dem einstigen Glamour-Einhorn ist binnen fünf Jahren ein gnadenloser Kapitalvernichter geworden. Die Anleger bleiben misstrauisch – trotz Milliarden-Umsatz und starkem Kundenwachstum.