Das Stockholmer Gericht hat die Entscheidung im Milliardenstreit zwischen Klarnas Tochter PriceRunner und Google verschoben — und die Aktie kämpft ohnehin schon mit dem Rücken zur Wand.
Urteil erst am 10. Juni
Das Patent- und Marktgericht Stockholm hat den ursprünglich für den 15. April geplanten Urteilstermin auf den 10. Juni 2026 verlegt. Als Begründung nannte das Gericht lediglich, dass „zusätzliche Zeit zur Fertigstellung des Urteils benötigt wird“ — mehr nicht. PriceRunner fordert von Google rund 8,3 Milliarden US-Dollar Schadensersatz, was den Fall zu einer der größten privaten Kartellklagen in der schwedischen Rechtsgeschichte macht.
Die Klage wurzelt im EU-Wettbewerbsurteil von 2017, das Google verurteilte, eigene Preisvergleichsdienste in Suchergebnissen bevorzugt zu haben. PriceRunner reichte 2022 Klage ein — kurz bevor Klarna das Unternehmen übernahm — und erhöhte die Schadensforderung später, um jahrelange Umsatz- und Traffikverluste zu berücksichtigen. Der Europäische Gerichtshof bestätigte die ursprüngliche EU-Entscheidung im September 2024. Google hält dagegen: Man habe bereits 2017 Anpassungen vorgenommen, die Zahl der Preisvergleichsseiten auf der eigenen Plattform sei seitdem von sieben auf 1.550 gestiegen.
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Hohe Unsicherheit, hoher Einsatz
Klarna selbst dämpft die Erwartungen. Das Unternehmen betont ausdrücklich, dass der Ausgang des Verfahrens ungewiss sei — weder Haftung noch Schadenshöhe seien garantiert. Selbst ein Urteil zugunsten von PriceRunner wäre anfechtbar, müsste mit früheren PriceRunner-Aktionären und dem Prozessfinanzierer geteilt werden und unterläge der Besteuerung. Die genannte Klagesumme sage nichts über eine tatsächliche Zahlung aus.
Das ist eine wichtige Einschränkung. Ein Sieg wäre für Klarna finanziell transformativ — ein Verlust hingegen würde eine jahrelange Hoffnung zunichtemachen, ohne direkten Schaden für die Bilanz.
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Aktie unter Druck
Die Verschiebung trifft Klarna in einer schwachen Phase. Die Aktie notiert aktuell bei rund 13,96 Dollar und hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 71 Prozent an Wert verloren. Die Marktkapitalisierung liegt bei etwa 4,95 Milliarden Dollar — weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 57,20 Dollar.
Parallel arbeitet Klarna an seiner Bilanz. Anfang April schloss das Unternehmen eine sogenannte Significant-Risk-Transfer-Transaktion über 1,7 Milliarden Dollar ab — die sechste und bislang größte dieser Art. Das dreijährige Abkommen mit einem von Värde Partners geführten Konsortium deckt auf Euro lautende Kredite ab und soll regulatorisches Kapital für neues Kreditgeschäft freisetzen.
Am 10. Juni wird das Stockholmer Gericht zeigen, ob die 8,3-Milliarden-Wette aufgeht — oder ob Klarna mit leeren Händen dasteht.
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