Der US-Stahlverarbeiter Worthington Steel greift zu – und zwar kräftig. 11 Euro je Aktie bietet das Unternehmen aus Columbus, Ohio, für sämtliche Anteile an Klöckner & Co. Eine saftige Prämie von 81 Prozent auf den letzten ungestörten Schlusskurs vom 5. Dezember 2025 und sogar 98 Prozent auf den dreimonatigen Durchschnitt. Damit ist klar: Die Amerikaner meinen es ernst.
Am 15. Januar 2026 wurde die Zusammenschlussvereinbarung unterzeichnet. Vorstand und Aufsichtsrat von Klöckner begrüßen das Angebot ausdrücklich und wollen den Aktionären – vorbehaltlich der Prüfung der Angebotsunterlage – die Annahme empfehlen. Kein Wunder: Der Deal katapultiert den arg gebeutelten Düsseldorfer Stahlhändler in eine völlig neue Dimension.
Amerikaner schaffen Stahl-Giganten
Worthington Steel will durch den Zusammenschluss zum zweitgrößten Stahl-Service-Center-Unternehmen Nordamerikas aufsteigen. Der kombinierte Umsatz beider Firmen läge bei über 9,5 Milliarden US-Dollar. Das Kalkül: Klöckner bringt rund 110 Standorte in Nordamerika und Europa mit, dazu ein breites Produktportfolio von Blech über Elektroband bis Edelstahl. Worthington verspricht sich jährliche Synergien von rund 150 Millionen Dollar – und das bereits bis Ende des Geschäftsjahres 2028.
Die Finanzierung steht: Worthington kombiniert eigene Mittel mit neuer Fremdfinanzierung. Vollständig abgesichert, ohne Finanzierungsvorbehalt. Nach Abschluss rechnen die Amerikaner mit einer Nettoverschuldung im Bereich von 4,0x – innerhalb von 24 Monaten soll diese Quote aber unter 2,5x fallen.
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Größter Aktionär bereits im Boot
Entscheidend für den Erfolg: Die SWOCTEM GmbH, mit 41,53 Prozent größter Aktionär von Klöckner, hat sich unwiderruflich verpflichtet, ihre gesamte Beteiligung anzudienen. Damit ist die Mindestannahmeschwelle von 65 Prozent in greifbare Nähe gerückt. Auch die Vorstandsmitglieder von Klöckner wollen ihre Aktien einreichen.
Der Deal ist an übliche Bedingungen geknüpft: Neben der Mindestannahmequote müssen fusionskontrollrechtliche und sonstige behördliche Freigaben erfolgen. Der Abschluss wird für die zweite Hälfte 2026 angestrebt. Nach erfolgreichem Vollzug prüft Worthington einen Squeeze-Out, einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag und möglicherweise ein Delisting vom regulierten Markt in Frankfurt.
Becker-Sparte wird abgestoßen
Parallel zum Übernahmeangebot verkündet Klöckner den geplanten Verkauf der Becker Gruppe – einer der führenden Multi-Metals-Plattformen im europäischen Flachstahlsektor. Die Becker-Sparte kämpfte zuletzt mit roten Zahlen: In den ersten neun Monaten 2025 fuhr sie bei 567 Millionen Euro Umsatz ein operatives Ergebnis (EBITDA vor Sondereffekten) von minus 36 Millionen Euro ein.
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Klöckner-Chef Guido Kerkhoff begründet den Schritt mit dem Wunsch, stärker auf höherwertige Produkte und Services zu setzen. Die Becker-Beteiligung soll unter neuer Eigentümerschaft an einer Konsolidierung der europäischen Industrie teilhaben können.
Was bleibt für Aktionäre?
Für das Geschäftsjahr 2025 ist eine Dividende von bis zu 0,20 Euro je Aktie vereinbart. Der Sitz für das europäische Geschäft bleibt in Düsseldorf, das Management soll im Amt bleiben. Worthington sichert zu: keine Entlassungen, keine Standortschließungen. Die Größe des Aufsichtsrats bleibt unverändert – allerdings will Worthington künftig angemessen vertreten sein.
Ob die Angebotsunterlage nach Gestattung durch die BaFin noch Überraschungen bereithält, wird sich zeigen. Klar ist: Für Klöckner-Aktionäre, die in den vergangenen Jahren viel Geduld aufbringen mussten, bietet sich jetzt eine attraktive Ausstiegsmöglichkeit. Ob die Mindestannahmeschwelle erreicht wird? Die Chancen stehen nicht schlecht.
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