Der Angebotspreis liegt bei 11,00 Euro — die Aktie kostet 12,20 Euro. Diese Lücke erzählt die eigentliche Geschichte der Klöckner-Übernahme. Worthington Steel hält bereits 58,8 % der Anteile, die Nachfrist läuft bis zum 14. April 2026. Verbliebene Aktionäre spekulieren offensichtlich auf deutlich mehr.

Warum der Kursaufschlag kein Zufall ist

Der Aufschlag von rund 11 % über dem Angebotspreis spiegelt die Erwartungen an die nächsten Schritte wider. Worthington Steel hat am 27. März 2026 offiziell angekündigt, unmittelbar nach Vollzug des Angebots einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Klöckner & Co abzuschließen. Für außenstehende Aktionäre würden dann gesetzlich geregelte Ausgleichs- und Abfindungszahlungen greifen — auf Basis einer unabhängigen Unternehmensbewertung, die oft über dem ursprünglichen Angebotspreis liegt.

Genau diese Aussicht treibt die Preisbildung. Das neue 52-Wochen-Hoch bei 12,20 Euro markiert, was der Markt als wahrscheinlichen Ausgang einpreist.

Wie die Mehrheit zustande kam

Den entscheidenden Beitrag leistete Großaktionär Friedhelm Loh: Er brachte seinen Anteil von rund 41,5 % vollständig in das Angebot ein. Ohne dieses Einlenken wäre die Mindestannahmeschwelle von 57,5 % zum Ablauf der initialen Frist am 26. März 2026 kaum erreichbar gewesen.

Der Angebotspreis selbst enthielt bereits eine Prämie von 98 % auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs vom 5. Dezember 2025 — ein Aufschlag, der den Widerstand der verbliebenen Aktionäre nun erklärt.

Squeeze-out oder Beherrschungsvertrag

Das Endszenario hängt von der erreichbaren Beteiligungsquote ab. Gelingt es Worthington Steel, nach Vollzug der Transaktion mindestens 90 % des Grundkapitals zu sichern, ist ein Squeeze-out der Minderheitsaktionäre vorgesehen. Bleibt die Quote darunter, bleibt der Beherrschungsvertrag der Weg — dessen Zustimmung durch die Klöckner-Hauptversammlung Worthington Steel zuversichtlich erwartet.

Ein Delisting prüft der US-Konzern ebenfalls. Sinkt die Streubesitzquote weiter, dürfte die Handelsliquidität spürbar abnehmen. Der kartellrechtliche Abschluss der Transaktion wird für die zweite Jahreshälfte 2026 erwartet — bis dahin dominieren Spekulationen über die Höhe künftiger Ausgleichszahlungen das Kursgeschehen.