Liebe Leserinnen und Leser,
11 Euro je Aktie – fast eine Verdopplung über Nacht. Was nach einem klassischen Short Squeeze klingt, ist tatsächlich das Ergebnis eines Übernahmeangebots, das viele überrascht hat. Während Klöckner in Frankfurt durch die Decke schießt, kämpft Europa mit einem Gaspreis, der binnen Wochenfrist um 25 Prozent explodiert ist. Und in Großbritannien ebnet die Zulassungsbehörde den Weg für eine höhere Wegovy-Dosierung – ein Schachzug, der Novo Nordisk Auftrieb gibt, während Eli Lilly unter Druck gerät. Drei Geschichten, die zeigen: Manchmal sind es nicht die großen Tech-Konzerne, die den Ton angeben, sondern Industriewerte, Rohstoffe und Pharma-Innovationen.
Klöckner: Wenn US-Stahl zugreift – und der Kurs explodiert
Worthington Steel macht ernst: 11 Euro je Aktie bietet der US-Konzern für Klöckner – eine Prämie von satten 98 Prozent auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnitt. Die Reaktion an der Börse ließ nicht auf sich warten: Die Aktie schoss am Freitag um über 28 Prozent nach oben und notierte bei 11,04 Euro. Damit liegt das Papier sogar minimal über dem Angebotspreis – ein Zeichen dafür, dass Anleger auf einen möglichen Bieterwettstreit oder Nachbesserungen spekulieren.
Das Kalkül von Worthington ist klar: Klöckner hat zwar seinen Schwerpunkt in Europa, erzielt aber den Großteil der Erlöse in Nordamerika. Zuletzt sendete das Europageschäft positive Signale, doch die strategische Bedeutung liegt jenseits des Atlantiks. Für Worthington ist die Übernahme ein Schritt, um die Marktposition im Stahlhandel zu stärken – und für Klöckner-Aktionäre ein unverhoffter Geldsegen. Die Annahmeschwelle liegt bei 65 Prozent, was angesichts der hohen Prämie als realistisch gilt.
Was bedeutet das für deutsche Anleger? Wer noch Klöckner im Depot hat, darf sich freuen. Wer nicht investiert ist, sollte sich fragen, ob der Aufschlag bereits ausgereizt ist – oder ob hier noch Luft nach oben bleibt, falls weitere Interessenten auf den Plan treten.
Novo Nordisk: Britische Zulassung als Trumpfkarte gegen Eli Lilly
Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hat grünes Licht gegeben: Wegovy darf künftig in einer Höchstdosis von 7,2 Milligramm pro Woche verabreicht werden – aufgeteilt in drei Injektionen à 2,4 Milligramm. Das ist eine deutliche Steigerung gegenüber der bisherigen Maximaldosis und verschafft Novo Nordisk einen strategischen Vorteil im Wettrennen gegen Eli Lilly. Die Novo-Aktie legte in Kopenhagen um über 6 Prozent zu, während Eli Lilly im vorbörslichen US-Handel leicht nachgab.
Der Hintergrund: Novo Nordisk steht unter Druck, weil Eli Lillys Tirzepatid (vermarktet als Zepbound) in den USA signifikante Marktanteile erobert hat. Die höhere Wegovy-Dosierung soll nun Patienten ansprechen, die mit der Standarddosis nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen. Analysten von Berenberg rechnen damit, dass die orale Wegovy-Pille, die Anfang Januar in den USA eingeführt wurde, in diesem Jahr rund eine Milliarde Dollar Umsatz generieren könnte. Eine endgültige Zulassung in Großbritannien wird bis Ende 2026 erwartet.
Für Anleger ist die Botschaft klar: Novo Nordisk schlägt zurück. Die Kombination aus höherer Dosierung und oraler Darreichungsform könnte die Wettbewerbsposition stärken – auch wenn Eli Lilly weiterhin die Nase vorn hat. Die Frage ist, ob Novo Nordisk den Vorsprung von Lilly aufholen kann, bevor weitere Konkurrenten in den Markt drängen.
Gaspreis: Der „perfekte Sturm“ trifft Europa
35,31 Euro je Megawattstunde – so teuer war europäisches Erdgas zuletzt im vergangenen August. Binnen einer Woche ist der Preis um rund 25 Prozent gestiegen, der stärkste Anstieg seit Oktober 2023. Arne Lohmann Rasmussen, Chefanalyst beim Beratungsunternehmen Global Risk Management, spricht von einem „perfekten Sturm“: Eisige Temperaturen, niedrige Speicherstände und geopolitische Risiken treffen zusammen.
Die europäischen Gasspeicher sind derzeit nur zu 52 Prozent gefüllt – deutlich unter dem saisonüblichen Durchschnitt von 67 Prozent. Hinzu kommt die Sorge vor einer möglichen Sperrung der Straße von Hormus, durch die knapp ein Fünftel der weltweiten Flüssiggaslieferungen transportiert werden. Die jüngsten Drohungen der US-Regierung gegen Länder, die mit dem Iran Geschäfte machen, verschärfen die Lage zusätzlich. Sollte der Iran als wichtiger Gaslieferant für die Türkei ausfallen, könnte Ankara mit europäischen Staaten um Lieferungen konkurrieren – was die Preise weiter nach oben treiben würde.
Doch Experten geben Entwarnung für den weiteren Jahresverlauf: Barbara Lambrecht von der Commerzbank rechnet mit einer Entspannung, da das wachsende Angebot von Flüssiggas eher eine Überversorgung am Markt drohen lasse. Für Anleger bedeutet das: Kurzfristig bleiben Energiewerte wie RWE oder Siemens Energy im Fokus – langfristig dürfte der Preisdruck aber wieder nachlassen.
Siemens Energy und RWE: Profiteure der deutschen Kraftwerksstrategie
Die Bundesregierung hat sich mit der EU-Kommission auf eine Kraftwerksstrategie geeinigt, die den Neubau von Gaskraftwerken vorsieht. Noch in diesem Jahr sollen zwölf Gigawatt neue Kapazitäten ausgeschrieben werden – ein Schritt, der die Versorgungssicherheit nach dem geplanten Kohleausstieg 2038 gewährleisten soll. Die Aktien von Siemens Energy und RWE reagierten prompt: Siemens Energy kletterte auf ein neues Rekordhoch und führte den DAX mit einem Plus von über 6 Prozent an. RWE erreichte den höchsten Stand seit 2011 und notierte bei 51 Euro.
Für Siemens Energy läuft es ohnehin rund: Die Geschäfte mit Gasturbinen und Netztechnik brummen, und die Kraftwerksstrategie liefert nun zusätzlichen Rückenwind. RWE hat bereits konkrete Pläne für drei Standorte in Nordrhein-Westfalen und könnte insgesamt drei Gigawatt neue Kapazitäten realisieren. Analysten der Bank of America und des Bankhauses Metzler sind besonders optimistisch und sehen Kursziele von 59 Euro.
Die Botschaft für Anleger: Der deutsche Energiesektor profitiert von politischen Weichenstellungen – und die Aktien von Siemens Energy und RWE dürften auch 2026 zu den Gewinnern zählen.
Anzeige: Während der Energiesektor von staatlichen Investitionsprogrammen profitiert, eröffnet sich parallel ein noch größerer Megatrend: die globale Halbleiter-Revolution. Felix Baarz hat in seiner aktuellen Analyse herausgearbeitet, wie der Chip-Markt auf eine Billion US-Dollar Jahresumsatz zusteuert – getrieben durch KI, autonomes Fahren und den massiven Ausbau von Rechenzentren. In seinem kostenlosen Spezialreport stellt er vier konkrete Chip-Aktien vor, die von diesem Boom maximal profitieren könnten. Sie erfahren, welche Unternehmen die KI-Chips liefern, wer die Produktionsanlagen baut und welche Infrastruktur-Spezialisten unverzichtbar sind. Der Report enthält alle Kaufdaten inklusive WKN und detaillierte Unternehmensanalysen. Besonders interessant: Staatliche Programme wie der US-CHIPS Act und der European Chips Act pumpen dreistellige Milliardenbeträge in diese Branche. Kostenloser Zugang zum Chip-Report
Chemiewerte unter Druck: Barclays dämpft die Erwartungen
Während Energiewerte glänzen, bleiben Chemieaktien das Sorgenkind. Der europäische Branchenindex Stoxx Europe 600 Chemicals fiel am Freitag um 1,4 Prozent – und damit überproportional stark. Barclays-Analyst Alex Sloane warnt vor mauen Absatzvolumina, träger Preisentwicklung und fragilen Endmärkten. Besonders vorsichtig blickt er auf Solvay, Arkema und Lanxess. Auch für Wacker Chemie könnten sich die Gewinnerwartungen als zu hoch erweisen.
Im DAX waren BASF mit einem Minus von 3,7 Prozent das Schlusslicht, Brenntag verlor zwei Prozent. Lanxess brach im MDAX um 4,6 Prozent ein. Der Hintergrund: Die Branche kämpft nicht nur mit der schwachen Konjunktur in Deutschland und Europa, sondern auch mit der Immobilienkrise in China und dem zunehmenden Druck durch chinesische Exporte. Die Auslastung bleibt nahe historischer Tiefststände, und Endmärkte wie Bau sowie Beschichtungen zeigen kaum Anzeichen einer Erholung.
Für Anleger heißt das: Chemiewerte bleiben ein schwieriges Terrain. Wer auf eine Trendwende setzt, sollte Geduld mitbringen – und sich bewusst sein, dass die strukturellen Probleme der Branche nicht über Nacht verschwinden.
Ausblick: Was die kommende Woche bringt
Die nächsten Tage dürften von der Bilanzsaison geprägt sein: In den USA berichten unter anderem Netflix, Johnson & Johnson und Intel. In Deutschland rücken die Zahlen von Daimler Truck in den Fokus, die am 12. März erwartet werden. Zudem bleibt die Entwicklung des Gaspreises im Blick – sollte die Kälte anhalten, könnte der Aufwärtsdruck weiter zunehmen.
Für Krypto-Anleger steht die Frage im Raum, wie es mit dem gescheiterten CLARITY Act weitergeht. Die Verzögerung sorgte für Verunsicherung, doch langfristig bleibt die regulatorische Klarheit ein entscheidender Faktor für die Branche.
Bleiben Sie wachsam – und lassen Sie sich nicht von kurzfristigen Ausschlägen verunsichern.
Ihr Andreas Sommer


