Kluft bei Leitzinsen: Der Yen gerät wieder ins Hintertreffen

Trotz höherer japanischer Zinsen bleibt der Yen schwach, weil die US-Notenbank einen straffen Kurs signalisiert und der Zinsabstand groß bleibt.

KI-generiertes Symbolbild
Symbolbild, KI-generiert
Kurz & knapp:
  • Dollar notiert bei 157,33 Yen
  • Japanischer Zinsschritt mit Gegenstimmen
  • Weitere BoJ-Anhebung im Oktober unsicher
  • US-Inflation bleibt bei 3,7 Prozent

Warum verliert Japans Währung an Boden, obwohl die Bank of Japan die Zinsen angehoben hat? Die Antwort liegt im weltweiten Gleichschritt der Notenbanken, angeführt von der Federal Reserve. Solange die Zinsdifferenz zwischen den USA und Japan bei rund 275 Basispunkten verharrt, bleiben Yen-finanzierte Carry-Trades attraktiv. Am Dienstagmorgen notierte das Währungspaar bei 157,33 Yen je Dollar.

Uneinigkeit in Tokio, Entschlossenheit in Washington

Zwar hob die Bank of Japan ihren Leitzins am vergangenen Freitag an. Zwei Ratsmitglieder stimmten jedoch dagegen, was die Erwartungen an rasche Folgeschritte dämpfte. An den Terminmärkten wird die Wahrscheinlichkeit für eine weitere Anhebung des japanischen Leitzinses auf 1,5 Prozent im Oktober derzeit auf etwa 30 Prozent beziffert.

Auf der Gegenseite signalisiert die US-Notenbank wenig Spielraum für eine Lockerung. St. Louis Fed-Präsident Alberto Musalem betonte, dass die Geldpolitik voraussichtlich noch restriktiver werden müsse. Ohne zusätzlichen Druck drohe die Teuerung mittelfristig deutlich über dem Ziel von zwei Prozent zu verharren.

Die Teuerung in den USA erweist sich als hartnäckig. Der für die Fed maßgebliche Preisindex für persönliche Konsumausgaben lag zuletzt bei 3,7 Prozent im Jahresvergleich, nach einem Tiefstand von 2,3 Prozent im April 2025. Neben robusten Konsumausgaben treiben höhere Rohstoffpreise infolge des Investitionsbooms in künstliche Intelligenz die Kosten nach oben.

Zinsabstand bleibt der bestimmende Faktor

An den Märkten wird eine Anhebung des US-Leitzinskorridors im Oktober mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 55 Prozent eingepreist. Bis April stellen sich Investoren auf bis zu drei weitere Zinsschritte um jeweils 25 Basispunkte ein. Die Spanne liegt nach der Anhebung der Vorwoche bereits bei 3,75 bis 4,00 Prozent.

Indes weht nicht nur in Washington ein falkenhafter geldpolitischer Wind. Auch in Australien preisen die Zinsterminmärkte für die kommende Woche mit 90 Prozent Wahrscheinlichkeit eine Zinsanhebung ein. Für den Yen bedeutet diese weltweite Tendenz anhaltenden Druck, da mögliche Marktinterventionen der japanischen Behörden die Zinsdifferenz allein nicht schließen können.

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Felix Baarz arbeitet seit 2016 als Wirtschaftsjournalist und gehört zur Redaktion der YES Investmedia GmbH.Unter seinem Namen erscheinen auf Trading-Treff seit März 2025 Beiträge zu Aktien, Trading und Indizes sowie zu wirtschaftlichen Rahmenthemen. Schwerpunkte sind Rohstoffwerte sowie KI- und Technologiewerte.Quellen dieses Ressorts: Unternehmensmitteilungen und Pflichtveröffentlichungen, Geschäftsberichte und Quartalszahlen, Kurs- und Handelsdaten der Börsenplätze sowie Meldungen der Nachrichtenagenturen. Bei Index- und Trading-Themen zusätzlich die Zusammensetzung und Anpassungen der Indexanbieter sowie Terminmarktdaten; bei Technologie- und KI-Werten Produktankündigungen und Geschäftszahlen der Unternehmen.Einordnung: Analystenurteile und Kursziele erscheinen als Aussage der jeweiligen Häuser, nicht als Bewertung der Redaktion. Kurs- und Unternehmensangaben geben den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wieder.