Der Weg an die Börse führt für KNDS durch den Haushaltsausschuss. Am 24. Juni entscheidet Berlin über den Einstieg beim deutsch-französischen Rüstungskonzern. Es geht um Milliardenbeträge und politische Kontrolle. Ein positives Votum macht den Weg frei für den geplanten Börsengang im Juli.

Einstieg vor dem Börsendebüt

Deutschland plant den Kauf eines 40-Prozent-Anteils. Das bewertet den Rüstungskonzern mit bis zu 18 Milliarden Euro. Berlin will so ein Gegengewicht zum französischen Staat schaffen. Zusätzlich fordert die Bundesregierung eine goldene Aktie für die deutsche KNDS-Tochter. Das sichert weitreichenden Einfluss bei Personal und Strategie.

Nach dem Doppellisting in Frankfurt und Paris bleibt der Streubesitz eng. Nur rund 20 Prozent der Aktien gehen in den freien Handel. Frankreich und Deutschland wollen ihre Anteile erst über die nächsten drei Jahre schrittweise abbauen.

Risse im Prestigeprojekt

Operativ steht KNDS vor einer strategischen Weichenstellung. Das deutsch-französische Panzerprojekt MGCS wackelt. Laut Rheinmetall-Chef Armin Papperger erwägt Paris eine massive Kürzung der Mittel. Bisher flossen ohnehin nur 25 Millionen Euro in das komplexe Vorhaben.

KNDS zieht nun Konsequenzen. Auf der Messe Eurosatory präsentierte der Konzern Mitte Juni den Übergangspanzer CAPINT. Er kombiniert ein deutsches Leopard-Fahrgestell mit einem französischen Turmsystem. Parallel treiben die deutschen Partner den Leopard 3 als Rückfalloption voran.

Starke Zahlen, amerikanische Fantasie

Finanziell ist das Fundament vor dem Börsengang massiv. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um fast 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn kletterte auf 661 Millionen Euro.

Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Der Bestand liegt bei über 33 Milliarden Euro. Besonders das Munitionsgeschäft boomt europaweit und verzeichnete zuletzt ein starkes Umsatzplus.

Ein weiterer Kurstreiber lauert jenseits des Atlantiks. Gemeinsam mit Leonardo DRS bietet KNDS der US-Armee das Artilleriesystem CAESAR an. In der Ukraine sind aktuell 120 dieser Haubitzen im Einsatz. Das Pentagon entscheidet im Juli über mögliche Prototypen. Ein Zuschlag der Amerikaner würde die Bewertung des Börsenneulings völlig neu definieren.