Starke Zahlen, schlechtes Timing. Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS stoppt seinen Börsengang in Frankfurt und Paris. Die Märkte spielen derzeit nicht mit. Ein Blick in die Bücher zeigt indes eine massive Auftragsflut.
Rekordaufträge sichern Wachstum
KNDS glänzte im vergangenen Geschäftsjahr mit starkem Wachstum. Der Umsatz kletterte um 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erreichte 661 Millionen Euro.
Noch beeindruckender ist der Auftragsbestand. Zum Jahreswechsel türmten sich die Bestellungen auf den Rekordwert von 33,1 Milliarden Euro. Das sichert die Einnahmen für Jahre. Bis 2026 plant das Management ein Umsatzwachstum von rund 30 Prozent.
Rüstungssektor unter Druck
Der Grund für die Pause liegt im Marktumfeld. Der europäische Rüstungssektor erlebt einen harten Abverkauf. Die Aktien des Partners Rheinmetall brachen letzte Woche an einem Tag um 19 Prozent ein. Auslöser war das gestoppte deutsche Marineprojekt F126.
Andere Wettbewerber spüren ebenfalls Gegenwind. Die Papiere der Czechoslovak Group stürzten seit ihrem Debüt im Januar um 57 Prozent ab. Die Eigentümer von KNDS warten nun auf stabilere Kurse. Die Vorbereitungen für das Listing sind weitgehend abgeschlossen.
Staatliche Dominanz
Wenn die Aktien an die Börse kommen, erwartet Investoren eine ungewöhnliche Struktur. Die Bundesrepublik übernimmt über die KfW einen Anteil von 40 Prozent. Bisher lag dieses Paket bei der privaten Holding Wegmann & Co. Frankreich hält über GIAT Industries exakt den gleichen Anteil.
Die Folge: ein Streubesitz von lediglich rund 20 Prozent. Zwei souveräne Staaten sichern sich so die qualifizierte Mehrheit. Private institutionelle Anleger haben künftig nur begrenzten Einfluss auf strategische Entscheidungen.
Ausbau der Produktion läuft weiter
Der operative Betrieb geht unabhängig vom Börsenplan weiter. KNDS baut aktuell eine ehemalige Waggonfabrik in Görlitz zum Rüstungsstandort um. Zusätzlich modernisiert der Konzern Panzer für internationale Kunden. Schweden erhielt kürzlich die ersten überarbeiteten Kampfpanzer.
Auch das Portfolio wächst. Der Konzern treibt die Entwicklung von Drohnen und unbemannten Systemen voran. Das Set-up für den Börsengang steht. Sobald sich die Bewertungen zwischen Eigentümern und Investoren angleichen, kann das Listing starten – frühestens im diskutierten Zeitfenster im September.
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