KNDS steht kurz vor einem der größten Rüstungs-Börsengänge Europas. Der deutsch-französische Panzerbauer plant eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris — und bringt dabei eine ungewöhnliche Eigentümerstruktur mit, die Investoren genau verstehen sollten.

Staatskonzern mit Börsenmantel

Frankreichs GIAT Industries und die deutsche KfW halten nach dem IPO je 40 Prozent. Die verbleibenden 20 Prozent gehen ausschließlich an institutionelle Investoren. Privatanleger erhalten keine Zuteilung.

Beide Staatsaktionäre unterliegen einem zehnjährigen Lock-up. Gegenseitige Vetorechte verhindern, dass eine Seite unter 30 Prozent fällt. Analysten haben diese Konstruktion bereits kritisiert und eine Bewertungsabschlag gefordert — Minderheitsaktionäre haben schlicht wenig Einfluss.

Die KfW erwirbt ihren Anteil vor der Notierung. Der Vollzug hängt noch von einem Sondermandat des Bundestags-Haushaltsausschusses ab. Deutschlands Oppositionsparteien bemängeln, sie hätten zu wenig Zeit gehabt, die Investition zu prüfen.

Das Bankenkonsortium aus Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale begleitet die Transaktion. Den Unternehmenswert schätzt die Financial Times auf 12 bis 15 Milliarden Euro.

Fundamentaldaten mit Schlagkraft

Operativ liefert KNDS beeindruckende Zahlen. Der Auftragsbestand liegt bei 33,1 Milliarden Euro — mehr als das Siebenfache des Jahresumsatzes von 4,4 Milliarden Euro. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 16 Prozent gegenüber 2024. Das EBIT erreichte 661 Millionen Euro, der freie Cashflow 980 Millionen Euro.

Für 2026 peilt das Unternehmen rund 30 Prozent Umsatzwachstum an. Mittelfristig soll der Umsatz auf 11 bis 12 Milliarden Euro steigen, bei einer EBIT-Marge von 14 bis 15 Prozent. Den stärksten Wachstumsbeitrag soll KNDS Land Systems Germany leisten — mit einem Umsatz, der sich gegenüber 2025 etwa verdreifachen soll.

Ab dem Geschäftsjahr 2026 plant KNDS, rund 40 Prozent des Nettogewinns auszuschütten. Die erste Dividende soll 2027 fließen. Aktionäre, die zwei Jahre halten, erhalten doppelte Stimmrechte.

Der US-Auftrag als Zünder

Das eigentliche Wildcard-Szenario spielt sich in den USA ab. Die US Army will bis Juli einen Auftrag für bis zu 500 selbstfahrende Haubitzen vergeben. KNDS tritt gemeinsam mit Leonardo DRS an — gegen Hanwha, Rheinmetall und Elbit America.

Ein Zuschlag würde den weltgrößten Rüstungsmarkt für KNDS öffnen. Die Entscheidung fällt voraussichtlich zeitgleich mit dem Beginn der Zeichnungsfrist Anfang Juli. Kein Wunder, dass dieser Auftrag weit mehr ist als ein kommerzieller Meilenstein — er könnte die Nachfrage nach KNDS-Aktien während der Zeichnungsphase direkt beeinflussen.

Gegenwind vom Markt

Das Umfeld ist nicht ungetrübt. Europäische Rüstungsaktien haben sich zuletzt deutlich von ihren Hochs entfernt. Investoren zweifeln, ob staatliche Rüstungsversprechen schnell genug in Gewinne münden. Rheinmetall hat in diesem Jahr rund ein Viertel seines Börsenwerts verloren.

KNDS kombiniert staatliche Stabilität mit einem gut gefüllten Auftragsbuch — und hofft, dass diese Mischung überzeugt, wenn die Bücher Mitte Juli schließen.