Fabriken übernehmen, Rüstung hochfahren, an die Börse gehen — KNDS verfolgt drei Ziele gleichzeitig. Beim letzten Punkt häufen sich die Hindernisse.
Der franco-deutsche Panzerhersteller verhandelt mit Volkswagen und Mercedes-Benz über die Übernahme von Werken in Osnabrück und Ludwigsfelde. Das bestätigte Konzernchef Jean-Paul Alary am 26. Mai. Die Logik dahinter ist pragmatisch: Statt neue Produktionsstätten zu bauen, soll brachliegende Automobilkapazität in Rüstungslinien umgewandelt werden.
Zwei Werke, zwei Ausgangssituationen
In Ludwigsfelde südlich von Berlin verhandelt KNDS mit Mercedes-Benz über eine vollständige Übernahme des Werks — inklusive rund 2.000 Beschäftigter. Geplant ist zunächst eine Pacht eines Teils der Anlage. Während der Übergangsphase würden Militärfahrzeuge neben Mercedes-Transportern vom Band laufen.
Das VW-Werk in Osnabrück ist komplizierter. Volkswagen will die Pkw-Produktion dort 2027 einstellen. Rafael Advanced Defense Systems hat für das Gelände aber bereits eine Absichtserklärung unterzeichnet. KNDS ist also nicht allein im Rennen.
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Insgesamt investiert der Konzern rund eine Milliarde Euro in neue Fertigungskapazitäten.
Aufträge auf Rekordniveau
Das Wachstumstempo ist beeindruckend. Ende 2025 erreichte der Auftragsbestand ein Allzeithoch. Neue Aufträge im Wert von 13,5 Milliarden Euro gingen im vergangenen Jahr ein. Der Umsatz stieg um 15,9 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Die Sparte Land Systems Germany wuchs dabei um 17,4 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro.
Im Mai eröffnete KNDS ein Werk im norwegischen Levanger. Ab dem dritten Quartal 2026 sollen dort bis zu 36 Leopard-2A8NO-Panzer pro Jahr entstehen. In Belgien läuft eine neue Produktionslinie für 155-Millimeter-Munition.
Hinzu kommt das Joint Venture EuroPuls mit Elbit Systems. Das 50:50-Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Kassel produziert Raketenartillerie für europäische Streitkräfte. Am 1. Juni meldete EuroPuls einen neuen Bereitschaftsstand. Deutschland prüft die Beschaffung von rund 500 MARS-3-Raketenwerfern — dem System, das EuroPuls produziert. Das wäre ein erheblicher Auftrag.
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Zwei Hürden vor dem Börsengang
Die industrielle Geschichte ist stark. Der Weg an die Börse ist es weniger.
Erstens die Eigentümerstruktur: Deutschland will über die staatliche KfW einen Anteil von 40 Prozent übernehmen — analog zur bestehenden französischen Beteiligung. Beim Börsengang wären damit nur 20 Prozent der Aktien frei handelbar. Bei einer geschätzten Unternehmensbewertung von 18 bis 20 Milliarden Euro bleibt Investoren ein schmaler Anteil. Der geringe Streubesitz dürfte die Aufnahme in Indizes erschweren und die Handelsliquidität begrenzen.
Zweitens ein Prüfproblem: Wirtschaftsprüfer PwC verweigert die Freigabe des Jahresabschlusses 2025. Grund ist ein noch ausstehender Bericht der Kanzlei Freshfields. Diese untersucht einen Panzerliefervertrag mit Katar aus dem Jahr 2013 im Wert von 1,89 Milliarden Euro. Bislang fanden sich keine Hinweise auf Fehlverhalten. Ohne sauberes Testat lässt sich kein Börsenprospekt genehmigen.
Löst sich der politische Streit über Zeitpunkt und Struktur der KfW-Beteiligung schnell, ist eine Erstnotiz in Frankfurt und Paris noch im Sommer 2026 möglich. Zieht sich das Verfahren hin, gilt September als Ausweichfenster. Bis Ende 2026 will KNDS den Schritt in jedem Fall vollzogen haben.
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