Während die Börsennotierung von KNDS auf Eis liegt, läuft das operative Geschäft auf Hochtouren. Rheinmetall sichert sich als Zulieferer im ARTEC-Verbund einen Auftrag im niedrigen dreistelligen Millionenbereich für die Panzerhaubitze RCH 155. Der Widerspruch zwischen Auftragsflut und ausgebremstem Börsengang prägt die Lage des Rüstungskonzerns.
Waffensystem-Auftrag für die RCH 155 gesichert
Rheinmetall fertigt künftig 72 fernbediente 155-mm-Waffensysteme mit L/52-Rohr für die britische Armee. Die sogenannten Hubmassen gehen in die künftige Flotte der Selbstfahrlafette RCH 155. Als Unterauftragnehmer im ARTEC-Joint-Venture mit KNDS Deutschland übernimmt Rheinmetall damit ein Kernstück des Systems.
Die Produktion läuft in einem neuen Werk in Telford in Großbritannien an. Die Lieferungen starten im Mai 2028 und laufen bis Juni 2031. Der Auftrag soll mehr als 500 Arbeitsplätze in der britischen Rüstungsindustrie sichern.
Die RCH 155 gilt als Vorzeigeprodukt der Partnerschaft zwischen KNDS und Rheinmetall. Sie kombiniert das Boxer-Fahrgestell mit einem unbemannten, vollautomatischen Artillerie-Geschützmodul. Als einzige Artillerieplattform weltweit kann sie während der Fahrt feuern — ein Vorteil, der die Überlebensfähigkeit gegen gegnerisches Gegenfeuer deutlich erhöht.
IPO bleibt ausgesetzt
Der Börsengang von KNDS NV liegt seit Juli auf Eis. Ursprünglich für den Sommer 2026 an den Börsen Frankfurt und Paris geplant, verschob das Unternehmen den Schritt wegen hoher Schwankungen im europäischen Rüstungssektor.
Drei Zahlen bestimmen aktuell die Debatte um die Bewertung:
- Auftragsbestand: KNDS startete 2026 mit einem Rekordwert von 33,1 Milliarden Euro in die Bücher.
- Bewertungslücke: Institutionelle Investoren sehen den Wert bei rund 12 Milliarden Euro. Die Eigentümer — der französische Staat und die deutsche Unternehmerfamilie hinter Wegmann & Co. — wollten Berichten zufolge näher an 15 Milliarden Euro heran.
- Neues Zeitfenster: Analysten nennen frühestens September 2026 als möglichen Termin für einen neuen Anlauf.
Diese Lücke zwischen Auftragsbuch und Marktbewertung ist kein Nebenschauplatz. Sie entscheidet darüber, ob und wann die Eigentümer den Börsengang überhaupt wieder anschieben.
Blick auf die kommende Handelswoche
Zum Start der ersten vollen Augustwoche richtet sich der Blick der Anleger auf die gesamte Rüstungsbranche. Die zentrale Frage: Wie schnell lassen sich Rekordaufträge in Umsatz ummünzen? Da KNDS selbst nicht börsennotiert ist, dient die Kursentwicklung von Rheinmetall und anderen europäischen Wettbewerbern als Stimmungsbarometer.
Auch makroökonomische Daten spielen eine Rolle. Inflationszahlen und Industrieproduktion aus Europa beeinflussen, wie viel Risikobereitschaft Investoren für hochbewertete Wachstumsstorys im Rüstungssektor mitbringen.
Für KNDS selbst zählt in den kommenden Wochen vor allem ein Meilenstein: die gemeinsame Qualifizierung des 155-mm-L/52-Systems durch deutsche und britische Behörden. Erst nach deren Abschluss kann die Serienproduktion beginnen — ein Schritt, der die Position des Konzerns als Marktführer für automatisierte Landsysteme weiter festigen soll.
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