33,1 Milliarden Euro Auftragsbestand — das ist kein gewöhnlicher Rüstungsauftrag, das ist ein Paradigmenwechsel. KNDS NV, das deutsch-französische Rüstungsunternehmen hinter Leopard 2, CAESAR und Boxer, nähert sich seinem geplanten Börsengang 2026 mit Zahlen, die kaum ein Konkurrent vorweisen kann.
Rekordbacklog treibt Börsenpläne
Der Auftragsbestand wuchs um 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ende 2024 lagen die offenen Bestellungen noch bei 23,5 Milliarden Euro. Haupttreiber sind der Leopard 2A8, das CAESAR-Artilleriesystem und die Boxer-Plattform — allesamt Systeme, die Europa gerade in großem Stil bestellt.
Der Umsatz für das Geschäftsjahr 2025 lag bei 4,4 Milliarden Euro. Auf dieser Basis plant KNDS eine Doppelnotierung an den Börsen Frankfurt und Paris. Die angestrebte Bewertung: zwischen 15 und 20 Milliarden Euro.
Verwaltungsratschef Thomas Enders hat die Strategie bestätigt. Das frische Kapital soll in Innovation und industrielle Skalierung fließen — darunter das deutsch-französische Kampfpanzer-Nachfolgeprogramm MGCS.
Staatsbeteiligung und Eigentumsstruktur
Die Eigentümerstruktur ist politisch heikel. Deutschland will einen Anteil von 40 Prozent erwerben, um mit Frankreich gleichzuziehen. Beide Staaten planen, ihre Anteile innerhalb von zwei bis drei Jahren nach dem Börsengang auf je rund 30 Prozent zu reduzieren. So soll Raum für private Investoren entstehen.
Mercedes-Werk als Produktionsreserve
Der Auftragsbestand ist beeindruckend. Das Problem: die Kapazität. CEO Jean-Paul Alary führt Gespräche mit Mercedes-Benz über eine mögliche Nutzung des Werks in Ludwigsfelde. KNDS will freie Kapazitäten aus der Automobilindustrie nutzen, um den Hochlauf der Panzerproduktion zu beschleunigen.
Der Ansatz ist pragmatisch. Statt neue Fabriken von Grund auf zu bauen, integriert KNDS bestehende Fertigungslinien. Das spart Zeit — und Zeit ist bei Lieferterminen für Leopard 2A8 und den neu entwickelten Leopard 2 A-RC 3.0 der entscheidende Faktor.
Ukraine als strategischer Anker
Hinter dem Wachstum steckt vor allem ein Treiber: die Wiederbewaffnung Europas und der Bedarf der ukrainischen Streitkräfte. KNDS hat dafür eigens die Tochtergesellschaft KNDS Ukraine LLC gegründet, die lokale Wartung und die Produktion von 155-mm-Artilleriegranaten übernimmt.
Mehr als 800 Systeme — darunter PzH 2000 und RCH 155 — sind bereits in der Ukraine im Einsatz oder unter Vertrag. Der industrielle Druck, die Produktion hochzufahren, ist damit struktureller Natur, nicht konjunkturell.
Vor dem formalen Börsenstart dürfte die Eurosatory 2026, die internationale Rüstungsmesse, zum nächsten wichtigen Termin werden. Dort erwartet die Branche weitere Ankündigungen zur industriellen Aufstellung — und möglicherweise erste konkrete Signale zum IPO-Zeitplan.
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