Kurz vor dem geplanten Börsengang an den Börsen Frankfurt und Paris gerät KNDS NV in turbulentes Fahrwasser. Ein Governance-Streit mit der Bundesregierung und ein drohender Kollaps des wichtigsten europäischen Rüstungsprojekts belasten die Bewertung spürbar.

Berlin fordert Vetorechte

Die deutsche Bundesregierung verhandelt derzeit über eine 40-Prozent-Beteiligung an KNDS NV — spiegelbildlich zur geplanten Beteiligung des französischen Staates. Berlin macht seine Einsteig jedoch von umfassenden Vetorechten bei strategischen Entscheidungen abhängig.

Im Kern geht es um die Kontrolle über sensible Rüstungstechnologien und die Integration deutscher und französischer Industriekomponenten. Das KNDS-Management warnt: Zu viel politischer Einfluss gefährde die Handlungsfähigkeit des Konzerns. Eine Einigung fehlt bislang.

Die Folge: Die Bewertungserwartungen sind deutlich gesunken. Frühere Schätzungen sahen eine Marktkapitalisierung von bis zu 25 Milliarden Euro. Nun pendelt die Spanne zwischen 18 und 20 Milliarden Euro.

Papperger warnt vor MGCS-Aus

Rheinmetall-Chef Armin Papperger erhöhte den Druck am Samstag weiter. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ warnte er, Frankreich könnte aus dem Projekt „Panzer der Zukunft“ aussteigen. Paris erwäge drastische Budgetkürzungen — auf weniger als die Hälfte der bisherigen Planungen.

Die Zahlen sprechen für sich. Seit dem Projektstart 2017 haben die vier Industriepartner — KNDS Deutschland, KNDS France, Rheinmetall und Thales — zusammen gerade einmal 25 Millionen Euro erhalten. Für ein Kampfsystem der nächsten Generation braucht es ein Vielfaches davon. Die Serienreife ist ohnehin erst für die 2040er Jahre geplant.

Leopard 3 als Notlösung

Angesichts der MGCS-Unsicherheiten treiben KNDS Deutschland und Rheinmetall die Entwicklung des Leopard 3 voran. Der neue Kampfpanzer soll Anfang der 2030er Jahre in Dienst gestellt werden und dient als Brückenlösung für die Bundeswehr und andere NATO-Partner.

Die Basis bildet die bestehende Leopard-2-A-RC-3.0-Plattform. Das Projekt hat bereits die regulatorische Freigabe für die gemeinsame Entwicklung erhalten. Für KNDS bedeutet der Leopard 3 einen konkreten Umsatzpfad — unabhängig davon, ob das MGCS jemals gebaut wird.

Starkes Auftragspolster, schwieriger Zeitpunkt

Trotz aller politischen Turbulenzen zeigt die industrielle Substanz von KNDS keine Schwäche. Der bestätigte Auftragsbestand liegt bei 33,1 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg 2025 um knapp 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Die Auftragseingänge legten in den vergangenen 18 Monaten um 41 Prozent zu.

Der Free Float nach den Staatseinstiegen soll bei rund 20 Prozent liegen. Ob der IPO noch im Sommer 2026 kommt, hängt an einer Einigung mit Berlin. Ab Montag, dem 15. Juni, findet in Paris die Rüstungsmesse Eurosatory 2026 statt — KNDS will dort seinen industriellen Fahrplan vorstellen. Marktbeobachter werten die Messe als letzte realistische Gelegenheit, vor der formellen Börsenabsichtserklärung Klarheit zu schaffen.