Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS bläst seinen Börsengang vorerst ab. Eigentlich wollte der Panzerbauer in diesem Sommer aufs Parkett. Ein schwächelndes Branchenumfeld und enttäuschte Preisvorstellungen zwingen das Management nun zum Rückzug. Die Folge: Eines der größten europäischen IPOs des Jahres fällt aus.
Milliardenlücke bei der Bewertung
Die Regierungen in Berlin und Paris hatten sich im Vorfeld auf die Besitzverhältnisse geeinigt. KNDS plante ein Listing von 20 Prozent der Anteile in Frankfurt und Paris. Das Problem war letztlich der Preis. Das Management konnte Investoren nicht von einer Bewertung über 12 Milliarden Euro überzeugen.
Ursprünglich kursierten in Medienberichten Summen von bis zu 25 Milliarden Euro. Diese Hoffnungen haben sich rasant in Luft aufgelöst. Das in Amsterdam ansässige Unternehmen wartet nun auf ein besseres Marktumfeld. Erst dann startet KNDS den IPO-Prozess neu.
Rüstungsaktien unter Druck
Die Absage passt zur aktuellen Stimmung. Rüstungsaktien verbuchen derzeit massive Verluste. Ein warnendes Beispiel liefert die tschechische CSG. Das Unternehmen feierte im Januar in Amsterdam den größten Rüstungs-Börsengang der Geschichte. Inzwischen notiert die Aktie 44 Prozent unter ihrem Ausgabepreis. Damit schrumpfte der Börsenwert um mehr als elf Milliarden Euro.
Auch Branchenprimus Rheinmetall schwächelt spürbar. Die Papiere des deutschen Munitionsherstellers brachen im laufenden Jahr um 32 Prozent ein. Allein in dieser Woche verlor die Aktie 19 Prozent an Wert. Die Bundesregierung hatte zuvor den geplanten Kauf von sechs großen Kriegsschiffen gestrichen.
Fundamentaldaten bleiben intakt
Michael Field von Morningstar sieht den Kern des Unternehmens nicht in Gefahr. Der Analyst wertet die Verzögerung nicht als operative Schwäche. KNDS sei fundamental gut aufgestellt. Ein Börsengang im aktuellen Tiefdruckgebiet wäre schlicht kontraproduktiv.
Ein neuer Anlauf hängt nun an der anstehenden Berichtssaison. Ein zweiter IPO-Versuch in diesem Jahr erfordert zwingend eine Trendwende. Konkurrenten wie Rheinmetall und CSG müssen in den kommenden Quartalen starke Geschäftszahlen vorlegen, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Bis dahin bleibt das Börsenfenster für KNDS geschlossen.
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