Europas größter Landverteidigungskonzern will an die Börse — aber Investoren zögern. KNDS N.V. plant ein Doppellisting an der Euronext Paris und der Frankfurter Börse. Doch die Vorstellungen über den Unternehmenswert liegen weit auseinander.

Zu teuer für den Markt

Der Börsengang wurde offiziell am 24. Juni 2026 angekündigt. Geplant ist der Verkauf von bis zu 20 Prozent des bestehenden Aktienkapitals durch die bisherigen Eigentümer: GIAT Industries S.A.S., eine Tochter des französischen Staates, und Wegmann & Co GmbH aus Deutschland.

Ursprünglich kalkulierten die Altaktionäre mit einer Bewertung zwischen 15 und 18 Milliarden Euro. Investoren zeigen sich bei Werten über 12 Milliarden Euro zurückhaltend. Wegmann & Co soll intern eine Untergrenze von 12,5 Milliarden Euro gesetzt haben. Das macht den Spielraum für eine Einigung eng.

Kein frisches Kapital für KNDS

Ein weiterer Kritikpunkt: Die IPO-Erlöse fließen vollständig an die verkaufenden Aktionäre. KNDS selbst erhält kein frisches Kapital. Das dämpft die Investitionsphantasie.

Nach dem Börsengang sollen Frankreich und Deutschland gemeinsam 80 Prozent der Anteile halten. Deutschland plant, 40 Prozent des Aktienkapitals über die staatliche KfW von Wegmann & Co zu erwerben. Kein Wunder, dass institutionelle Investoren die Konstruktion kritisch betrachten.

Starke Zahlen, schwaches Timing

Die Fundamentaldaten sprechen für das Unternehmen. KNDS erzielte 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro — ein Plus von knapp 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das EBIT lag bei 661 Millionen Euro, entsprechend einer Marge von 15 Prozent.

Der Auftragsbestand belief sich zum Jahresende 2025 auf 33,1 Milliarden Euro. Das entspricht etwa 7,5 Jahren des aktuellen Umsatzes. Mittelfristig peilt KNDS einen Jahresumsatz zwischen 11 und 12 Milliarden Euro an.

Die Zahlen sind stark. Das Problem ist die Struktur des Deals — und die Bewertungslücke zwischen Verkäufern und Käufern, die sich bislang nicht schließt.