Wenige Wochen vor dem geplanten Börsengang präsentiert KNDS seine ambitionierteste Produktoffensive seit Jahren. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory 2026 in Paris debütierten am 15. Juni gleich zwei neue Waffensysteme — ein Timing, das kaum zufällig wirkt.

CAPINT: Leopard-Chassis trifft französischen Turm

Der neue Kampfpanzer CAPINT soll eine Lücke schließen. Frankreich braucht eine Übergangslösung: Der Leclerc XLR wird planmäßig ausgemustert, bevor das gemeinsame deutsch-französische Nachfolgeprojekt MGCS einsatzbereit ist.

KNDS kombiniert beim CAPINT ein bewährtes Leopard-2-Fahrgestell aus Deutschland mit einem unbemannten ASCALON-Turm aus Frankreich. Das Fahrgestell basiert auf dem Leopard 2A8 mit 1.500 PS. Die dreiköpfige Besatzung sitzt vollständig im Rumpf. Der Turm lädt automatisch — 22 Schuss — und trägt standardmäßig eine 120-mm-Glattrohrkanone, aufrüstbar auf 140 mm.

KNDS plant außerdem Drohnenabwehr, eine offene digitale Architektur und die Vernetzung mit unbemannten Bodenfahrzeugen. Erste Einheiten sollen in den 2030er-Jahren ausgeliefert werden.

LORAS: Artillerie mit Tiefschlagreichweite

Das zweite System zielt auf eine anerkannte NATO-Fähigkeitslücke. LORAS verlängert die Reichweite klassischer 155-mm-Rohrartillerie in Bereiche, die bisher Raketenartillerie vorbehalten waren.

Der Unterschied liegt im Lauf. Während CAESAR, PzH 2000 und RCH 155 auf dem 155-mm/52-Kaliber-Standard basieren, setzt LORAS auf ein längeres 58-Kaliber-Rohr mit größerem Kammervolumen. Das Ziel: 60 km Reichweite mit Standardmunition, 80 bis 100 km mit Präzisions- und Spezialmunition. Auf der Eurosatory zeigt KNDS das System auf dem deutschen Boxer-Tracked-Kettenfahrzeug.

Schatten des MGCS-Streits

Hinter dem Messeauftritt liegt politischer Sprengstoff. Rheinmetall-Chef Armin Papperger bestätigte öffentlich, dass Frankreich eine Reduzierung seiner Beteiligung am MGCS-Programm erwägt — oder sogar einen vollständigen Ausstieg. Eine endgültige Entscheidung aus Paris steht noch aus.

Die Zahlen sprechen für sich: Seit dem Programmstart haben Rheinmetall, KNDS und Thales zusammen gerade einmal 25 Millionen Euro an Fördermitteln erhalten. Ein französischer Regierungsvertreter betonte zwar, das Projekt bleibe für beide Länder wichtig. Papperger ließ dennoch keinen Zweifel daran, dass die Diskussionen über Finanzierungsniveaus weitergehen.

KNDS positioniert den CAPINT ausdrücklich als Brücke zum MGCS. Das ist eine geschickte Botschaft — und gleichzeitig ein Eingeständnis, dass der Zeitplan des Flaggschiffprogramms weiter wackelt.

Starke Zahlen, schwächere Bewertung

Finanziell steht KNDS solide da. Der Umsatz stieg 2025 um knapp 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis kletterte auf 661 Millionen Euro, entsprechend einer Marge von 15 Prozent. Besonders stark lief die Munitionssparte mit einem Umsatzplus von fast 25 Prozent — Europa rüstet auf.

Der Auftragseingang erreichte 13,5 Milliarden Euro. Anfang Juni sicherte sich KNDS außerdem einen Großauftrag aus der Schweiz: 32 AGM-Radpanzerhaubitzen vom Typ DONAR 10×10 für die Eidgenossenschaft — Berns größte Artillerieinvestition seit Jahren.

Trotzdem hat der Börsengang an Glanz verloren. Die angestrebte Doppelnotierung in Frankfurt und Paris — geplant für Juni oder Juli 2026 — soll Lazard koordinieren, begleitet von Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale. Die erwartete Marktkapitalisierung ist allerdings von zeitweise 25 Milliarden Euro auf 18 bis 20 Milliarden Euro gesunken. Streit mit Berlin über staatliche Vetorechte und die Unsicherheit rund um das MGCS-Programm belasten die Investorenstimmung spürbar.