KNDS treibt eine radikale Umnutzung voran: stillgelegte Automobilwerke sollen zu Rüstungsstandorten werden. Die Gespräche sind konkret, die Investitionssumme liegt bei rund einer Milliarde Euro. Dahinter steht ein Auftragsbuch von 33,1 Milliarden Euro — und die Erkenntnis, dass bestehende Kapazitäten nicht ausreichen.
Mercedes und VW im Visier
CEO Jean-Paul Alary bestätigte Verhandlungen mit mehreren Autoherstellern. Im Fokus: das Mercedes-Benz-Werk in Ludwigsfelde und das Volkswagen-Werk in Osnabrück. Beide Standorte sind von Produktionsrückgängen betroffen.
Allein in Ludwigsfelde könnten rund 2.000 Beschäftigte den Arbeitgeber wechseln. KNDS plant zunächst eine Teilanmietung für die Fertigung von Militärfahrzeugen, bevor der Standort vollständig übernommen wird.
In Osnabrück stellt Volkswagen 2027 die Pkw-Produktion ein. KNDS prüft eine Übernahme, steht aber in Konkurrenz: Rafael Advanced Defense Systems hat bereits eine Absichtserklärung für das Werk unterzeichnet.
Die Logik ist einfach. Der Auftragsbestand kletterte binnen Jahresfrist von 23,5 auf 33,1 Milliarden Euro. Neuaufträge allein summierten sich auf 13,5 Milliarden Euro. Mehr als 300 Leopard 2 A8 für Tschechien, die Niederlande und Kroatien bilden das Rückgrat, hinzu kommt stark steigende Nachfrage nach Caesar-Panzerhaubitzen.
Großbritannien bestellt für eine Milliarde Pfund
Parallel meldete KNDS einen weiteren Exporterfolg. Die Organisation for Joint Armament Cooperation (OCCAR) vergab im Auftrag der britischen Armee einen Auftrag über 72 ferngesteuerte Panzerhaubitzen RCH 155 an ARTEC, ein Joint Venture von KNDS und Rheinmetall. Volumen: knapp eine Milliarde Pfund.
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Das Boxer-Fahrmodul — Chassis, Motor, Antriebsstrang — wird von KNDS UK in Stockport gefertigt. Erste Lieferungen sind für 2028 geplant, eine minimale Einsatzfähigkeit soll noch in diesem Jahrzehnt erreicht werden.
Die Nachfrage in Europa zieht an. NATO-Partner bauen Arsenale wieder auf. KNDS rechnet mit einem möglichen Auftrag der Bundeswehr über bis zu 3.000 Boxer-Fahrzeuge.
Prüfbericht blockiert Börsengang
Operativ läuft KNDS auf Hochtouren. Der Börsengang hängt an einem einzigen Dokument.
Wirtschaftsprüfer PwC verweigert das Testat für den Jahresabschluss 2025, solange eine interne Untersuchung läuft. Die Kanzlei Freshfields prüft ein Waffengeschäft aus dem Jahr 2013: die Lieferung von 24 Panzerhaubitzen 2000 und 62 Leopard 2 an Katar, Volumen 1,89 Milliarden Euro. Bislang ergaben sich keine Hinweise auf Fehlverhalten, aber ohne Abschlussbericht kein Testat. Ohne Testat kein Prospekt.
KNDS beauftragte die Untersuchung am 29. April 2026. Nach aktuellem Stand — weit fortgeschritten, aber nicht abgeschlossen — gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass KNDS-Mitarbeiter, frühere oder aktuelle, strafrechtlich relevantes Verhalten an den Tag legten.
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Kommt die Freigabe bis Ende Mai, bleibt das Zeitfenster für einen Börsengang im Juni oder Juli offen. Eine Verzögerung verschiebt das Listing in den Herbst — mit möglicherweise anderen Konditionen.
Staatsbeteiligung schränkt Streubesitz ein
Jenseits der Prüfung sorgt die Eigentümerstruktur für Diskussionen. Deutschland übernimmt über die KfW eine 40-Prozent-Beteiligung, parallel zu Frankreichs bestehendem Anteil. Zum Börsenstart sind damit nur 20 Prozent der Anteile frei handelbar. Das Konstrukt gilt als Schutz für sensible Militärtechnologie, lässt Privatanlegern und institutionellen Investoren aber nur einen Bruchteil des Kapitals eines Unternehmens mit geschätztem Wert von 18 bis 20 Milliarden Euro.
Mit 80 Prozent gesperrtem Kapital dürfte der niedrige Streubesitz auf Indexaufnahme und Handelsvolumen drücken. Vermögensverwalter werden das bei der Positionierung berücksichtigen müssen.
Zusätzlich steht eine Sonderdividende von bis zu zwei Milliarden Euro für Altaktionäre im Raum.
Renk-Beteiligung verkauft
KNDS hat das Portfolio bereits gestrafft. Am 22. Mai 2026 verkaufte der Konzern rund 5,8 Prozent seiner Renk-Anteile über ein beschleunigtes Bookbuilding. Deutsche Bank und Goldman Sachs agierten als Joint Bookrunner, Lazard als Finanzberater. KNDS hält nun noch etwa zehn Prozent an Renk, einem Schlüsselzulieferer für den Antriebsstrang des Leopard 2.
KNDS erklärte, die Vorbereitungen für ein Dual Listing in Frankfurt und Paris liefen weiter. Der ursprüngliche Zeitplan werde „vollständig eingehalten“. Ob das stimmt, entscheidet jetzt vor allem PwC — und wie schnell Berlin und Paris ihre Aktionärsvereinbarung finalisieren.
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