Der Weg an die Börse nimmt konkrete Form an. Am Freitag hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags den direkten Staatseinstieg in KNDS besiegelt — den pan-europäischen Rüstungskonzern, der Panzer wie den Leopard 2 und den Leclerc baut. Das Ergebnis: eine Eigentümerstruktur, die Paris und Berlin auf Augenhöhe hält.

Gleichgewicht zwischen zwei Hauptstädten

Das Modell ist klar gerechnet. Frankreich hält künftig 40 Prozent über GIAT Industries, Deutschland ebenfalls 40 Prozent — finanziert durch die staatliche KfW. Die KfW kauft ihre Anteile von Wegmann & Co GmbH, dem privaten deutschen Gesellschafter seit der Fusion von Nexter und Krauss-Maffei Wegmann im Jahr 2015. Die restlichen 20 Prozent gehen im Rahmen einer Privatplatzierung an institutionelle Investoren.

Kein neues Kapital fließt in die Gesellschaft. Der Börsengang besteht ausschließlich aus dem Verkauf bestehender Anteile. Das Management hält die aktuelle Liquidität und den Cashflow für ausreichend, um den industriellen Hochlauf zu finanzieren.

Zehn Jahre Bindung, doppeltes Stimmrecht

Beide Staatsaktionäre verpflichten sich zu einer zehnjährigen Haltefrist. Während dieser Zeit darf weder GIAT noch KfW den eigenen Anteil ohne gegenseitige Zustimmung unter 30 Prozent senken. Das gibt dem Management und künftigen Minderheitsaktionären Planungssicherheit.

Hinzu kommt ein Loyalitätsaktienmodell: Wer seine Anteile über einen definierten Zeitraum hält, erhält doppeltes Stimmrecht. Außerdem spiegelt ein deutsches Sicherheitsabkommen die bestehende französische „Golden Share“ — beide Länder sichern damit ihre nationalen Verteidigungsinteressen ab.

Das Unternehmen strebt eine Doppelnotierung an: Euronext Paris und das Prime Standard-Segment der Frankfurter Wertpapierbörse. Der Aufsichtsrat wird auf zwölf Mitglieder erweitert, darunter fünf unabhängige Direktoren sowie je drei Vertreter von GIAT und KfW.

Milliardenziele im Blick

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 peilt KNDS ein Umsatzwachstum von rund 30 Prozent gegenüber 2025 an. Die EBIT-Marge dürfte dabei auf etwa 12 Prozent sinken — belastet durch Börsengangskosten und den Anlauf großer Rüstungsprogramme.

Mittelfristig sind die Ziele ambitionierter. Der Konzern will Jahresumsätze zwischen 11 und 12 Milliarden Euro erreichen. Die EBIT-Marge soll dann auf 14 bis 15 Prozent steigen. Den kumulierten freien Cashflow beziffert KNDS für diesen Zeitraum auf 2,5 bis 3,0 Milliarden Euro — gestützt durch die wachsende Nachfrage im europäischen Verteidigungsmarkt.