Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS steht vor einem historischen Schritt. Heute entscheidet der Haushaltsausschuss in Berlin über die neue Eigentümerstruktur. Gibt die Politik grünes Licht, startet im Juli einer der größten europäischen Börsengänge der letzten Jahre. Das Timing könnte kaum besser sein.
Neue Struktur, volle Auftragsbücher
Paris und Berlin haben ihren Machtkampf beigelegt. Beide Staaten halten künftig jeweils 40 Prozent an dem Panzerbauer. Frankreich reduziert dafür seinen Anteil, während Deutschland Aktien von der Wegmann-Familie kauft. In den kommenden Jahren wollen die Regierungen ihre Pakete auf 30 Prozent abschmelzen. Das lässt rund 20 Prozent für den freien Handel.
Die finanziellen Eckdaten überzeugen. KNDS steigerte den Umsatz im vergangenen Jahr auf 4,4 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erreichte 661 Millionen Euro. Eine starke Marge von 15 Prozent.
Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Der Bestand liegt bei 33,1 Milliarden Euro. Das sichert die Produktion für mehr als sieben Jahre. Experten bewerten den Konzern aktuell mit bis zu 18 Milliarden Euro.
Neuer Panzer und US-Großauftrag
Pünktlich zur Messe Eurosatory präsentierte KNDS sein neuestes Modell. Der Kampfpanzer CAPINT kombiniert ein Leopard-Fahrgestell mit einem unbemannten Turm. Dieser verfügt über eine 120-Millimeter-Kanone und ein spezielles System zur Drohnenabwehr. Er soll die Lücke bis zum neuen europäischen Standardpanzer MGCS schließen.
Letzterer verzögert sich massiv. Rheinmetall-Chef Armin Papperger warnte kürzlich vor drastischen Budgetkürzungen durch Frankreich. Er schließt ein Scheitern des MGCS-Projekts nicht mehr aus. KNDS-Chef Jean-Paul Alary nannte ein solches Szenario eine schlechte Nachricht für Europa.
Abseits der europäischen Politik lockt ein gigantischer Markt. Die US-Armee vergibt bis Juli einen Auftrag über 500 mobile Haubitzen. KNDS schickt sein Erfolgsmodell CAESAR ins Rennen. Der Konzern arbeitet dafür mit dem US-Partner Leonardo DRS zusammen. Ein Sieg würde die Produktion ab 2028 auf ein völlig neues Niveau heben.
Auch in Asien wächst die Nachfrage. Malaysia bestellte im Juni 18 CAESAR-Systeme. Das Land ist damit der dritte Kunde im indopazifischen Raum.
Der Weg aufs Parkett
Der Fahrplan für die kommenden Wochen steht. Stimmt der Haushaltsausschuss heute dem neuen Vertragswerk zu, kündigt das Unternehmen den Börsengang umgehend offiziell an. Nach dem Aus für das gemeinsame Kampfjet-Projekt FCAS dient KNDS nun als wichtigster Gradmesser. Ein erfolgreiches Debüt auf dem Parkett würde beweisen, dass europäische Rüstungskooperationen auch am Kapitalmarkt funktionieren.
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