Der Panzerbauer KNDS hat seinen Börsengang auf Eis gelegt. Die Fabriken laufen trotzdem weiter. Ein frischer Zulieferauftrag für das Leopard-Programm zeigt: Das operative Geschäft kennt keine Pause.
Neuer Auftrag für den Leopard
KNDS hat Aufträge über mehr als 11 Millionen Euro an den finnischen Elektronikhersteller Incap vergeben. Es geht um Kabelbäume und elektromechanische Baugruppen für den Leopard-Panzer. Die Teile entstehen an mehreren Incap-Standorten und werden über drei Jahre verteilt geliefert.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. KNDS hatte seinen für diesen Sommer geplanten Börsengang erst vor rund einer Woche verschoben — unbefristet. Als Grund nannte das Unternehmen die Volatilität im europäischen Verteidigungssektor. Der Incap-Auftrag zeigt: Die Produktion für das Leopard-Programm läuft weiter, ganz unabhängig vom Börsenplan.
Der wahre Streitpunkt: eine Bewertungslücke
Offiziell schob KNDS die Marktturbulenzen vor. Tatsächlich steckte hinter der Verschiebung ein handfester Streit über den Unternehmenswert. Zwischen den Erwartungen der Eigentümer und dem, was Investoren zahlen wollten, klaffte eine Lücke von rund 500 Millionen Euro.
Ursprünglich hatte das Management auf eine Bewertung von 20 Milliarden Euro gehofft. Als die Rallye der Verteidigungsaktien ins Stocken geriet, senkte KNDS das Ziel auf etwa 15 Milliarden Euro. Die verkaufenden Altaktionäre — Giat Industries aus Frankreich und die deutsche Wegmann & Co — bestanden aber auf mindestens 12,5 Milliarden Euro. Große institutionelle Investoren wollten nicht über 12 Milliarden Euro hinausgehen. Beide Seiten blieben hart.
Auftragsbuch wächst weiter
Während der Börsengang wartet, expandiert das operative Geschäft. Der Auftragsbestand von KNDS liegt inzwischen bei über 33 Milliarden Euro. Getragen wird das Wachstum von den Beschaffungsplänen der Bundeswehr: Bis zu 1.000 Leopard-2-Panzer und 2.500 Boxer-Schützenpanzer will Deutschland kaufen, ein Programm mit einem Volumen von rund 25 Milliarden Euro.
Um diese Mengen zu stemmen, baut KNDS seine Kapazitäten aus. Das Stammwerk in München produziert derzeit etwa 50 Panzer pro Jahr, die Lieferzeit liegt bei rund zwei Jahren. Zusätzlich hat der Konzern die frühere Alstom-Fabrik in Görlitz übernommen. Dort soll die Produktion 2026 starten.
Finanziell steht KNDS solide da. Der freie Cashflow erreichte im vergangenen Geschäftsjahr 980 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte auf 4,4 Milliarden Euro, der operative Gewinn auf 661 Millionen Euro.
Sektor gerät unter Druck
Für europäische Verteidigungsaktien ist das Umfeld zuletzt deutlich rauer geworden. Die Czechoslovak Group, die erst im Januar in Amsterdam an die Börse ging, hat bereits 44 Prozent ihres Wertes verloren. Die Marktkapitalisierung fiel auf 13,8 Milliarden Euro. Auch Rheinmetall, der Branchenprimus, gab im vergangenen Monat 13 Prozent ab.
Morningstar-Analyst Michael Field erwartet vor Jahresende keinen neuen Anlauf für den Börsengang. Er fordert weitere starke Quartalsergebnisse aus der gesamten Branche, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.
Aufträge wie der von Incap zeigen die Richtung: KNDS baut seine industrielle Basis unabhängig vom Börsenplan weiter aus. Ob die Bewertungslücke aus dem Sommer bis zu den nächsten Quartalszahlen kleiner wird, dürfte die Investoren in den kommenden Monaten am meisten interessieren.
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