KNDS Deutschland treibt gemeinsam mit Rheinmetall Landsysteme den Aufbau einer Fertigungsstätte in Litauen voran. In der Freien Wirtschaftszone Kaunas hat der Bau einer Anlage für Montage und Reparatur von Leopard-Panzern begonnen, während Verhandlungen über den finanziellen Beitrag des litauischen Staates noch liefen.

Für den Rüstungskonzern ist das ein weiterer Baustein seiner Expansion in Osteuropa, wo die Nachfrage nach europäischer Landverteidigungstechnik seit Jahren steigt.

Weitere Aufträge unterstreichen die Auslastung

Parallel zum litauischen Werksprojekt vermeldete KNDS Deutschland Anfang September einen Auftrag an Intracom Defense: Der griechische Zulieferer soll das Kommunikations- und Informationssystem WiSPRevo für neu gefertigte Leopard-2A8-Panzer liefern, die für den internationalen Markt bestimmt sind.

Die Auftragsvergabe zeigt, dass KNDS sein Panzergeschäft nicht nur mengenmäßig, sondern auch technologisch weiterentwickelt und dabei auf spezialisierte Partner setzt.

Auch bei der Munitionsproduktion expandiert der Konzern. Der polnische Rüstungshersteller Grupa Niewiadow baut zusammen mit KNDS Ammo France eine Fertigung für 155-mm-Munition auf, die ab dem kommenden Jahr eine Jahreskapazität von 180.000 Schuss erreichen soll.

Zusammengenommen zeichnen die Meldungen der vergangenen Tage das Bild eines Unternehmens, das seine Produktionskapazitäten über mehrere Standorte und Produktlinien hinweg gleichzeitig hochfährt.

Börsengang bleibt im Hintergrund präsent

Über all diesen operativen Fortschritten steht weiterhin die Frage nach dem Börsengang. KNDS hatte im Sommer geplante Listing-Gespräche wegen Schwäche im Rüstungssektor ausgesetzt.

Ende August kündigte Bloomberg an, dass der Konzern Investorengespräche für einen möglichen Börsengang frühestens in der zweiten Septemberhälfte wieder aufnehmen wolle, mit einer Ausweichoption auf Anfang 2027. Ein KNDS-Vertreter erklärte laut Bloomberg, man sei bereit, den Prozess neu zu starten, sobald die Marktbedingungen günstig seien.

Berater des Unternehmens visierten dem Finanzdienst Mergermarket zufolge ein erneutes IPO-Fenster im September oder Oktober an. Für 2026 rechnet KNDS demnach mit einem Umsatzwachstum von 30 Prozent und einer EBIT-Marge von 12 Prozent – Zahlen, die die Investorenbasis von der Substanz hinter dem Wachstum überzeugen sollen, sobald die Gespräche tatsächlich wieder aufgenommen werden.

Einordnung für Anleger

Der Ausbau in Litauen fügt sich in eine Serie von Kapazitätserweiterungen, die KNDS derzeit über mehrere Länder hinweg vorantreibt – von der Panzerfertigung über Kommunikationstechnik bis zur Munitionsproduktion.

Für Anleger, die auf einen möglichen Börsengang schauen, liefern diese operativen Fortschritte zusätzliches Argumentmaterial: Ein Unternehmen, das seine industrielle Basis sichtbar verbreitert, während es gleichzeitig ambitionierte Wachstums- und Margenziele für das laufende Jahr in Aussicht stellt, dürfte bei einer Neuauflage der Investorengespräche mit einer soliden Ausgangslage antreten.

Ob der Zeitplan für September oder Oktober tatsächlich hält, bleibt jedoch von den Marktbedingungen abhängig, die KNDS selbst als entscheidenden Faktor benannt hat.