Paris und Berlin driften beim gemeinsamen Panzerprojekt MGCS immer weiter auseinander. Die Folge: KNDS muss seine Produktplanung für die nächsten zwei Jahrzehnte komplett neu denken. Statt eines Fahrzeugs mit einem gemeinsamen Chassis setzen die Partnerländer nun auf ein System aus vernetzten Einzeltechnologien.

Zeitplan rutscht um zehn Jahre

Das Main Ground Combat System soll die Kampfpanzer Leopard 2 und Leclerc ersetzen. Ursprünglich war der Einsatz für die 2030er Jahre geplant. Nach aktuellem Stand rechnen Experten nun erst in den frühen 2040er Jahren mit der vollen Einsatzfähigkeit.

Der Grund liegt in einem fundamentalen Konzeptwechsel. Die Partnerländer forschen jetzt gemeinsam an autonomem Fahren, moderner Sensorik und vernetzten Gefechtsständen. Eine einheitliche Fahrzeugfamilie auf einem Chassis ist damit erstmal vom Tisch.

Hinter dem Umbau stecken handfeste Konflikte. Die Industriepartner streiten über Arbeitsanteile, über Turmdesigns und über die Wahl der Hauptbewaffnung. KNDS und die anderen Programmpartner kommen hier bislang nicht zusammen.

Übergangslösungen sichern das Geschäft

Um die Lücke bis zum neuen System zu überbrücken, setzt KNDS verstärkt auf Zwischenlösungen. Vor Kurzem zeigte der Konzern den Leopard 2 A-RC 3.0. Das Fahrzeug hat einen unbemannten Turm und eine auf drei Mann reduzierte Besatzung, komplett im Rumpf untergebracht. Die Kanone lässt sich flexibel im Kaliber 120, 130 oder 140 Millimeter bestücken.

Parallel treibt KNDS die französische Initiative CAPINT voran — kurz für Capacité Intermédiaire. Sie soll die Modernisierung der Landstreitkräfte sichern, bis das neue europäische System steht. Für den Konzern sind diese Übergangslösungen inzwischen geschäftskritisch. Sie liefern den Betreibern von Leopard-2- und Leclerc-Flotten eine Brücke, bevor deren Fahrzeuge Ende der 2030er Jahre aus dem Dienst scheiden.

Börsengang bleibt wegen Bewertungslücke blockiert

Die Unsicherheit um MGCS bremst auch die Kapitalmarktpläne von KNDS. Der im Juli 2026 pausierte Börsengang liegt weiter auf Eis. Der Grund: Aktionäre wollen eine Bewertung von rund 15 Milliarden Euro erreichen. Institutionelle Investoren zeigen bislang aber nur Interesse bis zu einer Obergrenze von etwa 12 Milliarden Euro.

Diese Blockade betrifft auch den geplanten Einstieg des deutschen Staates als direkter Aktionär. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat der staatlichen KfW zwar bereits grünes Licht gegeben, für bis zu 7,2 Milliarden Euro einen Anteil von 40 Prozent zu übernehmen. Das würde den Konzern mit 18 Milliarden Euro bewerten. Der Haken: Der Deal ist an den Börsenkurs gekoppelt. Ohne erfolgreichen Börsengang kann der Staatseinstieg nicht abgeschlossen werden.

Auftragsbuch bleibt Fundament des Geschäfts

Trotz Verzögerungen beim Panzerprojekt und dem eingefrorenen Börsengang steht KNDS operativ solide da. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte der Konzern einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro und ein EBIT von 661 Millionen Euro. Der Auftragsbestand erreichte zu Beginn 2026 einen Rekordwert von 33,1 Milliarden Euro.

Dieses Auftragspolster sichert die Werke in Kassel und Görlitz langfristig ab, wo die Produktion derzeit hochgefahren wird. Das Management konzentriert sich nun darauf, diesen Auftragsbestand abzuarbeiten. Für den Börsengang beobachtet der Konzern die Marktlage weiter — auf ein günstigeres Zeitfenster wartet man noch.