Lange Zeit war unklar, ob der größte europäische Panzerbauer überhaupt an die Börse kommen würde. Eine Compliance-Affäre um alte Qatar-Geschäfte überschattete die Pläne – und ließ Anleger wochenlang im Ungewissen. Jetzt hat sich der Nebel verzogen. KNDS hält am doppelten Börsengang in Frankfurt und Paris fest.
Rekordzahlen als Argument
Die Geschäftszahlen für 2025 liefern die nötige Munition für den Börsengang. Der Umsatz stieg um knapp 16 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro – getragen von einem breiten Wachstum in allen Segmenten. Die Panzersparte in Deutschland legte um 17,4 Prozent zu, das französische Pendant um knapp zehn Prozent. Das Munitionsgeschäft sprang sogar um ein Viertel nach oben.
Noch deutlicher fiel der Gewinnsprung aus. Das operative Ergebnis (EBIT) kletterte von 500 Millionen auf 661 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich von 13,2 auf 15,0 Prozent. KNDS führt das auf operative Exzellenz und die Abwicklung margenstarker Exportaufträge zurück.
Der Auftragsbestand unterstreicht die langfristige Perspektive: 33,1 Milliarden Euro – zehn Milliarden mehr als Ende 2024. Allein im vergangenen Jahr gingen Bestellungen im Volumen von 13,5 Milliarden Euro ein.
Die Qatar-Wolke – gelöst, aber nicht vergessen
Wochenlang hing ein Compliance-Problem wie ein Damoklesschwert über dem Börsengang. Es ging um einen Altvertrag mit den qatarischen Streitkräften aus dem Jahr 2013. Geschäfte über 24 Panzerhaubitzen PzH 2000, 62 Leopard-2-Panzer, weitere Ausrüstung und Trainingssysteme – unterschrieben von Krauss-Maffei Wegmann, einem Vorläufer von KNDS.
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Der SPIEGEL berichtete, dass die Wirtschaftsprüfer von PwC die Jahresabschlüsse 2025 zunächst nicht abzeichnen wollten. Die Aufklärung sei noch nicht abgeschlossen. Ohne testierten Abschluss kein Börsengang.
KNDS leitete eine unabhängige Untersuchung ein. Mit dem Jahresabschluss Ende Mai kam die Entwarnung: Die Prüfung sei so weit fortgeschritten, dass die Wirtschaftsprüfer die Zahlen abnehmen konnten. KNDS betont, es gebe keine Belege für strafbares Fehlverhalten von Mitarbeitern.
Doppelnotierung mit Staatsbeteiligung
Der Zeitplan steht. KNDS bestätigt die Vorbereitungen für eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris noch in diesem Jahr. Es bleibt bei der ursprünglichen Planung.
Der Börsengang dürfte einer der meistbeachteten Rüstungs-IPOs Europas werden. Denn die Eigentümerstruktur ist ungewöhnlich: Deutschland wird sich beim Börsengang mit 40 Prozent beteiligen – genauso viel wie Frankreich. Berlin ist entschlossen, den Anteil von den Familieneigentümern zu einem Kurs zu kaufen, der dem Emissionspreis entspricht. Beide Regierungen wollen ihre Beteiligungen in zwei bis drei Jahren auf je 30 Prozent reduzieren – das Stimmrecht bleibt aber immer gleich, unabhängig von der Höhe des Anteils.
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Vorbereitungen abgeschlossen
KNDS hat weitere Schritte unternommen. Den Anteil an Renk Group verkaufte der Konzern teilweise: von 15,83 auf rund 10 Prozent. Der Erlös betrug 269 Millionen Euro – die Nachfrage war so hoch, dass der Deal kurz nach Start platziert war.
Die Belegschaft wuchs auf rund 11.000 Mitarbeiter – ein Plus von 7,3 Prozent. Weitere Einstellungen sind geplant, ebenso Investitionen in Fertigung, Montage und Forschung.
Die Führungsstruktur wurde gestärkt: Tom Enders (Ex-Airbus) übernimmt den Aufsichtsrat, Jean-Paul Alary wird Konzernchef. Die Deutschland- und Frankreich-Töchter haben neue CEOs.
KNDS hat die beiden kritischsten Hürden genommen. Die Compliance-Wolke ist verzogen, die Rekordzahlen stehen. Was entsteht, ist ein ungewöhnliches Börsenunternehmen: ein Rüstungskonzern mit zwei mächtigen Staaten als Kernaktionären und einem begrenzten Streubesitz.
Starke Staatsanker können Stabilität bringen – gerade in einer Branche, in der nationale Sicherheitsinteressen dominieren. Sie bergen aber auch das Risiko zäher Entscheidungen, wenn Berlin und Paris unterschiedliche Interessen haben. Und sie könnten das Kurspotenzial begrenzen, das Anleger normalerweise belohnen. Das Sommerfenster für den Börsengang steht offen. Ob die Konstruktion überzeugt, wird sich am Markt zeigen müssen.
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