Investoren wollten die zwölf Milliarden Euro nicht zahlen. Der Panzerbauer KNDS NV verschiebt seinen Börsengang. Der Grund: Institutionelle Anleger lehnten die angestrebte Bewertung von mehr als zwölf Milliarden Euro ab.

Bewertungslücke stoppt den Listing-Prozess

Berichte vom Wochenende zeigen ein klares Bild. Die interne Preisvorstellung von KNDS traf auf zu wenig Nachfrage am Markt. Institutionelle Investoren sahen die Bewertung als zu hoch an.

Das ist ein Rückschlag für die Kapitalmarktpläne des europäischen Rüstungskonzerns. Im Juni war bereits das Kampfjet-Projekt FCAS gescheitert. Diese Pleite dürfte die Zurückhaltung gegenüber großen europäischen Verteidigungsprojekten verstärkt haben.

Deutschland setzt auf schnelle Lösungen

Die deutsche Regierung hat gerade eine Absichtserklärung mit Lockheed Martin unterzeichnet. Berlin will Tomahawk-Marschflugkörper mit einer Reichweite von rund 1.600 Kilometern kaufen, dazu passende Typhon-Abschusssysteme.

Bundeskanzler Merz nennt diese Käufe eine „Übergangslösung“. Genau das wird für KNDS zum Problem. Die Bundesregierung greift bei akutem Bedarf auf amerikanische Technik zurück, nicht auf europäische Systeme.

Deutschland will zwar langfristig eigene Waffensysteme entwickeln. Kurzfristig fließt das Kapital aber nach Amerika. Das begrenzt die unmittelbaren Wachstumsimpulse für heimische Hersteller wie KNDS.

Konkurrierende Rüstungsprojekte ziehen Kapital ab

Während KNDS um seine Bewertung ringt, fließen anderswo Milliarden. Eine britisch geführte Koalition hat mehr als 50 Milliarden Dollar für Präzisionswaffen mit Reichweiten über 2.000 Kilometern zugesagt – verteilt auf ein Jahrzehnt.

Auch die europäische Raketenabwehr bleibt gespalten. Auf der einen Seite steht das US-geführte Integrated Air and Missile Defense System, auf der anderen die deutsche European Sky Shield Initiative. Diese konkurrierenden Systeme erschweren die Investment-Logik für KNDS zusätzlich.

Investoren bevorzugen aktuell Unternehmen mit gesicherten Großaufträgen für sofortige Lieferungen. Genau das kann KNDS derzeit nicht bieten – zumindest nicht in dem Umfang, den die angestrebte Bewertung voraussetzen würde.

Die formalen Genehmigungsprozesse für die deutschen Raketendeals mit den USA sollen bis August abgeschlossen sein. Von diesem Ergebnis dürfte abhängen, wann und zu welchem Preis KNDS einen neuen Anlauf an die Börse wagt.