KNDS: Bewertung zwischen 20 und 25 Milliarden Euro

Beim geplanten IPO des Rüstungskonzerns KNDS eskalieren Machtkämpfe zwischen Deutschland und Frankreich, während PwC das Testat verweigert.

KNDS Aktie
Kurz & knapp:
  • Staatliche KfW prüft Sperrminorität
  • PwC verweigert Testat für Abschluss
  • Bewertung zwischen 20 und 25 Milliarden
  • Neue Boxer-Fertigungslinie in München

Frankreich hält bereits eine staatliche Beteiligung. Deutschland will nachziehen — und die Zeit läuft. Beim geplanten Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS eskaliert der Streit darüber, wer künftig das Sagen hat.

Die staatliche KfW prüft den Erwerb einer Sperrminorität von knapp über 25 Prozent und arbeitet dabei mit JPMorgan Chase zusammen. Bundeskanzler Friedrich Merz bestätigte das Vorhaben öffentlich — ohne KNDS namentlich zu nennen — bei einer Veranstaltung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Er sprach von einem „Mandat zum Erwerb einer bedeutenden Beteiligung“ an einem großen deutsch-französischen Rüstungsunternehmen, das einen Börsengang vorbereite.

Die IG Metall geht weiter: Die Gewerkschaft fordert eine noch größere staatliche Beteiligung Berlins und warnt davor, die Kontrolle über ein strategisch wichtiges Unternehmen aus der Hand zu geben.

Milliarden-IPO mit engen Zeitfenstern

Die Bode-Wegmann-Familie, die derzeit 50 Prozent an KNDS hält, will ihren Anteil über den Börsengang reduzieren. Geplant ist eine Doppelnotierung in Frankfurt und Paris. Die angestrebte Bewertung liegt zwischen 20 und 25 Milliarden Euro; durch den Streubesitz von rund einem Viertel der Anteile könnten bis zu 5 Milliarden Euro eingesammelt werden. Als globale Koordinatoren fungieren Bank of America, Deutsche Bank, Goldman Sachs und Société Générale.

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Ohne KfW-Beteiligung bliebe Frankreich der einzige staatliche Aktionär — und hätte damit strukturell die Oberhand im Konzern.

Prüfer blockieren den Zeitplan

Das größte unmittelbare Hindernis ist operativer Natur. Wirtschaftsprüfer PwC verweigert bislang das Testat für den Jahresabschluss 2025 — Hintergrund ist eine Korruptionsermittlung zu einer Transaktion mit den Streitkräften Katars aus dem Jahr 2013. Ohne zertifizierten Abschluss ist kein Börsenprospekt möglich, kein IPO denkbar.

KNDS hat am 29. April 2026 eine unabhängige Untersuchung des Vorgangs in Auftrag gegeben. Nach aktuellem Stand der weit fortgeschrittenen Ermittlung gibt es keine Belege dafür, dass beteiligte Mitarbeiter strafrechtlich relevant gehandelt haben. Das Unternehmen bestreitet, dass PwC das Testat definitiv verweigert habe. Das Management zeigt sich zuversichtlich, den Abschluss bis Mai 2026 zu finalisieren — was ein Listing im Juni oder Juli noch ermöglichen würde.

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Starkes operatives Fundament

Abseits der Governance-Fragen läuft das operative Geschäft. KNDS beschäftigt über 11.000 Mitarbeiter und erzielte 2024 einen Umsatz von 3,8 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand liegt bei 23,5 Milliarden Euro.

Im April 2026 eröffnete KNDS am Standort München-Allach eine neue Fertigungslinie für den Radpanzer Boxer 8×8 — in Kooperation mit der Dräxlmaier-Gruppe aus Vilsbiburg. Zehn Boxer-Antriebsmodule pro Monat sollen allein dort vom Band laufen. Ziel ist es, die Gesamtproduktion bis 2030 auf das Sechsfache zu steigern, indem Montagezeiten durch standardisierte Automotive-Methoden von mehreren Wochen auf wenige Tage gesenkt werden.

Hinzu kommt die Übernahme des Antriebsspezialisten Texelis Defense, der nun als KNDS Mobility firmiert. Auf der Rüstungsmesse DSA 2026 in Kuala Lumpur stellte KNDS das Kommunikationssystem Phorio vor, das bereits erste Bestellungen des französischen Verteidigungsministeriums verbucht hat.

Die PwC-Entscheidung im Mai wird den weiteren Fahrplan bestimmen. Gibt der Prüfer grünes Licht und bleibt die Korruptionsermittlung begrenzt, ist das Sommerfenster noch offen. Verzögert sich das Testat, rückt nicht nur der Börsengang in weite Ferne — sondern auch Berlins Chance, vor dem Listing noch Einfluss zu sichern.

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Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.