Der finnische Aufzug- und Fahrtreppenhersteller Kone hat die Zahlen für das zweite Quartal und das erste Halbjahr 2026 vorgelegt. Das Bild ist zweigeteilt: Während das Unternehmen bei den Umsätzen zulegen konnte, ging das Nettoergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Auch das Ergebnis je Aktie (EPS) verfehlte das Niveau des Vorjahres und blieb hinter den Erwartungen zurück.

Das Wachstum wird derzeit vor allem durch das Modernisierungs- und Servicegeschäft getragen. Diese Segmente zeigen sich widerstandsfähig und gleichen Teile der Schwäche im Neuanlagengeschäft aus. Besonders in den Regionen außerhalb Chinas profitierte Kone von einer stabilen Nachfrage nach Wartungsdienstleistungen und digitalen Services für bestehende Anlagen.

Druck durch China und Lokalisierungskosten

Die größte Herausforderung für den Konzern bleibt die anhaltende Schwäche auf dem chinesischen Bausektor. Der Markt, der jahrelang ein wesentlicher Wachstumstreiber für die gesamte Branche war, leidet weiterhin unter einer geringen Bautätigkeit und einer schleppenden Nachfrage nach neuen Immobilien. Dies belastet den Absatz von Neuanlagen massiv und zwingt das Unternehmen zu strategischen Anpassungen.

Zusätzlich drücken gestiegene Kosten für die Lokalisierung der Produktion und der Lieferketten auf die Margen. Kone investiert verstärkt in lokale Strukturen, um unabhängiger von globalen Handelskonflikten und logistischen Risiken zu werden. Kurzfristig führen diese Anpassungen jedoch zu einer höheren Kostenbasis. Im Vergleich zum Durchschnitt der europäischen Maschinenbaubranche weist das Unternehmen derzeit ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis auf, was den Druck auf das Management erhöht, die Profitabilität wieder zu steigern.

Analysten sehen Unterbewertung trotz Kursverlusten

Die Börse reagierte in den vergangenen Monaten zurückhaltend auf die gemischte Nachrichtenlage. Seit Jahresbeginn verzeichnet die Aktie ein Minus von 17,49 Prozent. Am heutigen Dienstag notiert das Papier bei 50,00 Euro und liegt damit deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 64,30 Euro, das noch Ende Februar erreicht wurde.

Trotz der durchwachsenen Gewinnzahlen sehen einige Marktbeobachter langfristiges Potenzial. Finanzanalysen zufolge könnte die Aktie basierend auf Modellen zum fairen Wert derzeit um rund 19 Prozent unterbewertet sein. Ein geschätzter fairer Wert von etwa 60,43 Euro deutet darauf hin, dass die aktuellen Risiken im Kurs bereits überproportional eingepreist sein könnten.

Ein vorsichtiger Optimismus kommt zudem aus dem europäischen Umfeld: Berichten zufolge hat sich das Geschäftsklima im deutschen Bausektor im Juli zum zweiten Mal in Folge leicht verbessert. Da die Auftragsbücher im Baugewerbe im Mai einen Zuwachs von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichneten, könnten sich hier mittelfristig neue Chancen für das Installations- und Wartungsgeschäft in Europa ergeben.